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Lobermeier, Olaf:
Rechtsextremismus und Sozialisation : eine empirische Studie zur Beziehungsqualität zwischen Eltern/Angehörigen und ihren rechtsorientierten Kindern
/ Olaf Lobermeier. Unter Mitarb. von Petra Pawelskus; Katarzyna Plachta. - 1. Aufl. - Braunschweig : Bildungsvereinigung Arbeit u. Leben, 2006. - 183 S. - (Empirische Studien; Bd. 2)
ISBN: 10 3-932082-20-6, ISBN: 13 978-3-932082-20-7

Die Studie "Rechtsextremismus und Sozialisation" wurde im Rahmen des entimon-Projekts "Wege aus der rechten Szene" bei der Arbeitsstelle Rechtsextremismus und Gewalt (ARUG) in Braunschweig durchgeführt. 20 Eltern oder Angehörige von Kindern, die in die rechtsextreme Szene involviert waren bzw. sind, wurden in problemzentrierten Interviews zur wechselseitigen Beziehungsqualität befragt. Der Ausgangspunkt war dabei die Frage, ob Eltern bei einem potentiellen Ausstieg aus der Szene eine wichtige Rolle einnehmen und ihre Kinder unterstützen können.
Nach früheren Autoritarismusstudien führt eine lieblose und straforientierte Erziehung in der Familie leicht zu fehlgeleiteten sozialen und politischen Orientierungen. Jedoch sollten diese Theorien nicht allzu dogmatisch verwendet werden, denn viele der hier vertretenen Eltern entsprechen keineswegs diesem Bild und standen ihren Kindern bei einem Ausstieg aus der rechten Szene mit viel Engagement zur Seite. In die Studie wurden vorwiegend Personen einbezogen, die - trotz der rechtsextremen Orientierung ihrer Kinder - den Kontakt zu ihnen aufrechterhielten und bereit waren, sie bei einem Ausstieg zu unterstützen.
Das Buch gliedert sich in 6 Hauptkapitel: Eingangs werden die theoretischen Aspekte familiärer Sozialisation erörtert, es folgen eine kurze Definition des Rechtsextremismus und Erläuterungen zum Design der Studie. Das 4. Kapitel beschäftigt sich mit Familienstrukturen der Interviewpartner. Dabei werden Kindheit, Familienalltag, die wechselseitigen Beziehungsformen und die subjektive Wahrnehmung der Kindheit berücksichtigt. Eltern-Kind-Beziehungen und die rechtsextreme Szene stehen im Mittelpunkt des 5. und umfangreichsten Kapitels. Hier geht es um die Situation vor und während des Einstiegs in die rechtsextreme Szene und die dadurch bedingten Veränderungen und Gefährdungen der Eltern-Kind-Beziehungen. Ferner werden Handlungsstrategien und die Suche nach professionellen Hilfen sowie die wechselseitigen Beziehungen während der Ausstiegsphase geschildert. Die im nächsten Kapitel folgende Zusammenfassung bestätigt, dass die eingangs erwähnten Autoritarismusstudien nicht als allgemein gültiger Maßstab angewendet werden können. Nicht nur autoritär geprägte oder in schwierigen sozialen Verhältnissen lebende Familien, sondern auch solche mit intakten Strukturen können mit Rechtsextremismus konfrontiert werden. Der Einstieg in die Szene gestaltete sich fast immer als "schleichender Prozess"; drastische Störungen des Familienalltags waren die Folge, und die Zeit der Szenezugehörigkeit wurde zu einer Zerreißprobe für die Eltern-Kind-Beziehung. Die Frage, ob Eltern bzw. enge Angehörige für ihre Kinder bei einem Szeneausstieg eine Ressource darstellen können, lässt sich abschließend jedoch eindeutig positiv beantworten. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Eltern bereit sind, viel Beharrlichkeit und Mühe zu investieren, sich auch durch Rückschläge nicht entmutigen lassen und gegebenenfalls bereit sind, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
Ein umfangreicher, mehr als 100 Seiten umfassender Anhang enthält gut lesbare Interpretationstexte zu allen 20 Interviews. Literaturhinweise.

Thomas Wagner