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Stöss, Richard:
Rechtsextremismus im Wandel
/ Richard Stöss; Hrsg. Friedrich-Ebert-Stiftung. - Berlin, 2005. - 224 S.
ISBN 3-89892-392-4

Richard Stöss, Professor für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin, liefert einen umfassenden Überblick über den deutschen Rechtsextremismus. Ursachen, historische Hintergründe, Entwicklung, Programmatik und Organisationsformen in der Bundesrepublik werden fundiert erläutert. Daneben finden sich auch Informationen zu rechten Subkulturen, dem rechtsextremistischen Einstellungspotential in der Bevölkerung und zur Entwicklung des Rechtsextremismus im westeuropäischen Ausland.
Die Wurzeln des deutschen Rechtsextremismus reichen bis ins späte 19. Jahrhundert zurück. Nationalkonservative Repräsentanten aus Politik, Landwirtschaft, Mittelstand und Industrie schlossen sich in Verbänden zum Kampf gegen die "Bedrohung" durch die erstarkende SPD zusammen und forderten eine "Revolution von oben". Im Verlauf des 1. Weltkriegs entstand die in ihren Grundzügen noch heute gültige rechtsextremistische Ideologie. Radikale Nationalisten, die einen Verständigungsfrieden und innenpolitische Reformen um jeden Preis ablehnten, stellten sich damals gegen die Monarchie und die eigene konservative Klasse. Rechtfertigung für dieses fundamentaloppositionelle Verhalten war die Überzeugung, dass das Deutsche Reich in seinem Bestand durch äußere und vor allem auch innere Feinde (verkörpert durch Linke und Liberale) bedroht und der herrschende Konservatismus nicht in der Lage war, dieser Bedrohung Einhalt zu gebieten. In diesem Zusammenhang gewannen auch krude Rassentheorien zusehends an Bedeutung, in denen die weltweite Bedrohung durch das Judentum beschworen und die Höherwertigkeit der germanischen Rasse propagiert wurde.
Die einseitige Interpretation und Dramatisierung vermeintlicher Bedrohungen von innen und außen, das Schüren von Paranoia und Existenzängsten sowie Propagieren nationalistischen Größenwahns sind bis heute Kernelemente rechtsextremistischer Strategien. Der deutsche Rechtsextremismus befindet sich im Wandel und passt sich aktuellen Gegebenheiten an. So findet sich inzwischen die lange Zeit in der Mittelschicht präsente Anhängerschaft vorwiegend in den Unterschichten, was nicht zuletzt auf anhaltenden Sozialabbau und Massenarbeitslosigkeit zurückzuführen ist. Rechtsextreme Parteien wie NPD, DVU, Republikaner etc. und deren Jugendorganisationen legen ihre programmatischen Schwerpunkte heute weniger auf die "klassischen" Themen wie Nationalstolz und Geschichtsrevision, als vielmehr auf Arbeitsmarkt- und Sozialprobleme (Hartz IV etc.). So erreichen sie auch Wählerschichten, die bislang eher von den etablierten Parteien gebunden wurden. Die Reduzierung rechtsextremen Wahlverhaltens auf reine Protestmotive ist jedoch eine Verharmlosung. Statistischen Untersuchungen zufolge betrug das rechtsextremistische Einstellungspotential in Deutschland 2003 16% (in den neuen Bundesländern 23%, in den alten Bundesländern 14%). Besonders häufig finden sich diese Einstellungen bei Arbeitslosen, Arbeitern und Rentnern. Seit Mitte der 90er Jahre erhalten rechtsextremistische Parteien und Gruppierungen vor allem in den neuen Bundesländern verstärkten Zulauf.
Das Buch enthält 20 Tabellen zu Wahlergebnissen und statistischen Untersuchungen sowie im Anhang Literatur- und Internetangebote und ein Abkürzungsverzeichnis.

Thomas Wagner