Rechte Gewalt in Berlin : 2003 bis 2006 / Hrsg. Senatsverwaltung für Inneres und Sport, Abteilung Verfassungsschutz. – Erstaufl.. - Berlin, 2007. - 86 S.
(Studienreihe „Im Fokus“)

2005 veröffentlichte der Berliner Verfassungsschutz erstmals eine empirische Studie zu rechten Gewalttaten. 336 Delikte aus den Jahren 1998 bis 2003 waren darin ausgewertet worden. Die vorliegende Broschüre präsentiert nun die Folgestudie, basierend auf Straftaten, die zwischen 2003 und 2006 in Berlin (insgesamt 300 Delikte, als "Politisch motivierte Gewaltkriminalität - rechts" bewertet) begangen wurden. 
Die Studie gliedert sich in sieben Hauptkapitel. Einleitend werden zunächst Aufbau der Studie, Definition des Untersuchungsgegenstandes und Methodik erläutert. Mit dem 2. Kapitel „Taten“ folgt der umfangreichste Abriss der Untersuchung: Die Deliktarten (insgesamt 37, vom gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr bis hin zum Mord) werden beschrieben und ihre Verteilung statistisch ausgewertet. Ein weiterer Teil des Kapitels widmet sich dann der geografischen Verteilung der Tatorte: Die meisten Straftaten ereigneten sich im öffentlichen Raum, dabei dominieren als Schauplätze erwartungsgemäß öffentliches Straßenland und Bahnhofsgelände. Wie schon in der Vorgängerstudie lässt sich bei der bezirklichen Verteilung abermals eine starke Überrepräsentanz der östlichen Stadtteile verzeichnen. So machen allein die rechten Gewalttaten in Lichtenberg, Pankow und Treptow-Köpenick 54% der gesamten Vorfälle aus. Ein starker Rückgang (10%) ließ sich in Marzahn-Hellersdorf feststellen, während ein Anstieg der Taten vor allem in Treptow-Köpenick (4%) und Spandau (3,5%) zu verzeichnen war. Anhand kartographischer Darstellungen werden die verdichteten Räume rechter Gewalt in Berlin deutlich gemacht; diese decken sich weitgehend auch mit den Wohnorten aktionsorientierter Rechtsextremisten und Hochburgen der NPD. Im Anschluss werden die Zeiträume rechter Gewalt und der Tatvorlauf untersucht. Hierbei wird deutlich, dass sich die meisten Vorfälle an Wochenenden in den Abend- und Nachtstunden ereignet haben und der Großteil der Gewalttaten spontan ohne vorherige Planung begangen wurde. Die Alkoholisierung vieler Täter ist in diesem Kontext ein weiterer wichtiger Aspekt. Kapitel 3 widmet sich dann den Tatverdächtigen. Geschlecht, Alter, Schulbildung, Beruf und Familienverhältnisse werden dabei ebenso berücksichtigt wie die ideologische Festigung und Bindung an rechtsextremistische Organisationen.
Das daraus resultierende Profil des durchschnittlichen Tatverdächtigen bestätigt das Bild der Vorgängerstudie: Der durchschnittliche Täter ist männlichen Geschlechts, 15-24 Jahre alt und verfügt nur über einen niedrigen Bildungsstand. Arbeitslosigkeit und einschlägige Vorstrafen sind weitere häufige Merkmale. Ein bereits verfestigtes rechtsextremistisches Weltbild weisen jedoch nur wenige Tatverdächtige auf. Das 4. Kapitel befasst sich schließlich mit den Opfern rechter Gewalt und beschreibt u. a. die Opferauswahl und die Tatmotivationen. Hierbei wird deutlich, dass Fremdenfeindlichkeit und eine „gegen links“ gerichtete Motivation die am häufigsten auftretenden Tatmotive waren. War Fremdenfeindlichkeit als Motivation zwischen 2004 und 2005 deutlich zurückgegangen, hat sie sich im Jahre 2006 wieder nahezu verdoppelt. Besonders auffällig ist jedoch der gravierende Anstieg der Übergriffe „gegen links“, der seine Ursachen einerseits in Auseinandersetzungen mit ebenfalls gewaltbereiten Linksextremisten, andererseits aber auch in einem diffusen Hass auf alles vermeintlich „Linke“ findet. In den folgenden drei Kapiteln werden die Veränderungen zur Vorgängerstudie zusammengefasst, Programme und Projekte gegen Rechtsextremismus kurz vorgestellt und statistische Vergleiche präsentiert. Der Anhang enthält eine Auflistung von politisch motivierter Gewaltkriminalität, eine Karte der Berliner Bezirke und Ortsteile sowie ein Literaturverzeichnis. Die Publikation kann im Internet kostenlos unter http://www.berlin.de/sen/inneres/verfassungsschutz/ bestellt oder als pdf-Dokument heruntergeladen werden.

Thomas Wagner

Quelle: http://www.aric.de/publikation/archiv_buchtipps/rechtsextremismus/rechte_gewalt_in_berlin/