Erreichbarkeit

Zur Zeit haben wir kein Büro. Sie erreichen uns per E-mail, bitte geben sie dabei eine Rückmeldemöglichkeit an: Kontakt

Sie möchten unser Engagement unterstützen?

Radikale Rechte und Fremdenfeindlichkeit in Deutschland und Polen : nationale und europäische Perspektiven / hrsg. von Michael Minkenberg ; Dagmar Sucker ; Agnieszka Wenninger. – Bonn : Informationszentrum Sozialwissenschaften, 2006. - 306 S.
ISBN 3-8206-0152-X 
(Ausgabe in poln. Sprache ISBN 3-8206-0153-8)

Sechs Jahrzehnte nach dem Ende des Nationalsozialismus sehen sich die europäischen Demokratien mit einer Renaissance des Rechtsextremismus konfrontiert. Rechtsradikale Parteien und Bewegungen gehören inzwischen längst zur politischen Normalität und konnten z. T. besorgniserregende Erfolge verbuchen. In West- und Osteuropa häufen sich rechtsextremistisch/rassistisch motivierte Überfälle und Ausschreitungen, so dass z. B. in Deutschland bereits öffentliche Warnungen vor so genannten „No Go Areas“ ausgesprochen und diskutiert wurden.
Der vorliegende (als deutsch- und polnischsprachige Ausgabe veröffentlichte) Band widmet sich diesem bedrohlichen Phänomen in 16 Beiträgen west- und osteuropäischer Autoren. Sie gliedern sich in drei Hauptabschnitte. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt dabei auf der Situation in Deutschland und Polen.
Der Großteil der hier gesammelten Beiträge entstand im internationalen Workshop „The Radical Right and Xenophobia in Germany and Poland: National and European Perspectives“, der im Rahmen des Deutsch-Polnischen Jahres 2005 von der Professur für Politikwissenschaft an der Europa-Universität Viadrina gemeinsam mit der GESIS Servicestelle Osteuropa im November 2005 veranstaltet wurde. 
Im ersten Abschnitt zu dem Thema “Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit im Blick der Sozialwissenschaften: Europa-Deutschland-Polen“ erörtern die Autoren Ursachen, Ausprägungen und mögliche Zusammenhänge fremdenfeindlicher/rechtsradikaler Tendenzen sowie den sozialwissenschaftlichen Forschungsstand zur Thematik. Dabei werden die Entwicklungen in Deutschland und Polen verglichen, zugleich aber auch die Erfolge von Rechtspopulisten im gesamteuropäischen Kontext betrachtet (so z. B. der Aufstieg Pim Fortuyns in den Niederlanden, die Geschichte des Front National in Frankreich und die aufstrebenden faschistischen und nationalkommunistischen Parteien in ehemaligen Warschauer Pakt-Staaten).
Im Abschnitt “Politik gegen Rechts“ widmen sich vier Einzelbeiträge den (partei-)politischen Strategien und Initiativen gegen Rechtsradikalismus. Ferner werden hier auch die Rolle des Verfassungsschutzes, die Gesetzeslage und Maßnahmen gegen Intoleranz erörtert. Dabei wird deutlich, dass von den demokratischen Parteien und Justizorganen vorwiegend auf eine Strategie staatlicher Verbote und Repressionen gesetzt, präventive Maßnahmen wie z. B. aufklärende Jugendarbeit jedoch jahrelang sträflich vernachlässigt wurden.
Unter dem Thema “Zivilgesellschaft gegen Rechts“ befassen sich Autoren wie Thomas Grumke, Harald Klier und Simone Wiegratz in ihren Texten mit zivilgesellschaftlichem Engagement und der Rolle von Nichtregierungsorganisationen im Kampf gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Darin werden u. a. die Tätigkeit der Antidiskriminierungsstelle des Landes Brandenburg und verschiedene NGOs und ihre europaweite Vernetzung beschrieben.
Der Anhang enthält Beschreibungen deutscher und polnischer institutioneller Forschungsprojekte zum Thema Rechtsradikalismus und Fremdenfeindlichkeit. Mit einer Autorenliste.

Thomas Wagner