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Gewalt von Rechts! : Analysen, Hintergründe, Handlungsmöglichkeiten (nicht nur) für Pädagogen / Hrsg. Bernadette Boos. Reiner Engelmann. – 1. Aufl. – Karlsruhe : von Loeper Literaturverl., 2012. – 175 S.
ISBN 978- 3-86059- 373-8

Spätestens seit der Aufdeckung der NSU-Morde ist Rechtsextremismus wieder vermehrt in das öffentliche Bewusstsein zurückgekehrt. Rechtsextremismus ist jedoch auch im Alltag, abseits spektakulärer Ereignisse und damit verbundener medialer Aufmerksamkeit eine politisch und kulturell geprägte Ideologie. Sie ist kein Auslaufmodell, sondern ist vielmehr tief in der deutschen Gesellschaft verankert. Dies und die Forderung, dass gegen Rechtsextremismus auf struktureller wie pädagogischer Ebene vorgegangen werden muss, sind die Prämissen des von Bernadette Boos und Rainer Engelmann herausgegebenen Sammelbands.
In „Gewalt von Rechts“ werden von Wissenschaftlern und Pädagogen nicht nur theoretische Zugänge und Analysen in den Vordergrund gestellt, sondern auch gezielt pädagogische Handlungsmöglichkeiten aufgezeigt. Die Aufsätze B. Wagners, Ch. Butterwegges, L. Neitzerts und M. Hinrichs geben einen Überblick über rechtsextreme Ideologie, Institutionen und Netzwerke sowie deren Formen der Gewaltausübung und wiederum deren Zusammenhänge mit anderen gesellschaftlichen Phänomenen wie Armut, Musik und Internet. Sie schaffen damit eine Basis für weitere Texte. Diese lassen sich thematisch in mehrere Schwerpunkte gliedern.
Die meisten Aufsätze widmen sich den unterschiedlichsten pädagogischen Ansätzen der Rechtsextremismusprävention und deren Förderung, wobei hier neben Texten zur Menschenrechtsbildung an Schulen (R. Engelmann) und praktischer Demokratiepädagogik (W. Beutel) besonders jener des Lehrers und Aktivisten Kurt Edler zu Rechtsextremismuspräventionskompetenz hervorgehoben werden soll. Im Gegensatz zu den Auffassungen des Autors und Journalisten Christian Nürnberger („Wissen schütz vor Dummheit nicht“), der ohne jemals Lehrperson gewesen zu sein, darüber urteilt, wie Lehrkräfte ihren Schülern Geschichte und Rechtsextremismusbekämpfung vermitteln sollen, vergisst K. Edler nicht, dass nicht bloß Lehrer_innen allein dafür verantwortlich sind, das Abdriften in eine rechtsextreme Szene eines Schulkindes zu erkennen. Infolgedessen fordert er die Herausbildung von übergreifenden Präventionsmaßnahmen von schul- und sozialpädagogischen Institutionen.
Ein weiterer Schwerpunkt wird auf Rechtsextremismus und Geschlecht gesetzt, wobei hier ein übergreifender Einstieg in das Thema vorliegt (B. Rommelspacher), deren grundlegende Thesen durch die Texte von B. Hafeneger, R. Becker zu rechtsextremen Männlichkeiten sowie von F. Büttner, J.Lang zu Frauen und Mädchen in der rechtsextremen Szene ergänzt werden.
Auch einem weniger präsenten Teil der pädagogischen Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, eben mit jenen Jugendlichen, die schon Teil der rechten Szene sind, gilt die Aufmerksamkeit einiger Autoren. Die Bedeutung der pädagogischen Auseinandersetzung beschreibt wiederum K. Edler in seinem Beitrag treffend: „Ein Schüler den ich von einer Liste streiche, ist nicht weg. Er ist irgendwo.“(S. 49)
Im Anhang Kurzbiographien der Autoren.
Mit dem Sammelband liegt eine wissenschaftlich fundierte und themenübergreifende Arbeit zum Rechtsextremismus vor, die für interessierte Leser_innen nicht nur für Pädagog_innen einen guten Einstieg in die praktische wie theoretische Auseinandersetzung mit dem Thema bietet.
Ein weiterer Sammelband „Einstieg rechts – Ausstieg …?“(1)  ebenfalls von B. Boos und R. Engelmann herausgegeben, knüpft an die Beiträge des Bandes „Gewalt von Rechts“ an.
Er enthält jedoch keine wissenschaftlichen Aufsätze, sondern Erzählungen, Gedichte und Texte, in denen aus der Opfer- wie Täter_innenperspektive erzählt wird. Sie zeigen wie sich rechte Gewalt heute äußert. Die Geschichten sollen insbesondere Schüler_innen ansprechen.

Alina Strmljan

(1) Einstieg rechts – Ausstieg …? : Texte zur Auseinandersetzung mit rechter Gewalt. – Karlsruhe : von Loeper Literaturverl., 2012. – 144 S.