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Rommelspacher, Birgit: 
Der Hass hat uns geeint : Junge Rechtsextreme und ihr Ausstieg aus der Szene
/ Birgit Rommelsbacher. – 1. Aufl. – Frankfurt/Main : Campus Verl., 2006. - 246 Seiten. 
ISBN 3-593-38030-7

In den vergangenen Jahren sind rechtsextreme Jugendliche zunehmend ins Interesse der Medienberichterstattung gerückt und zugleich auch verstärkt zum Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen geworden. Im vorliegenden Band analysiert die Psychologin Birgit Rommelspacher anhand von Interviews und biographischen Berichten, wie und warum Jugendliche zur rechten Szene stoßen und wie es manchen von ihnen gelingt, in einem langwierigen Prozeß schließlich wieder den Ausstieg zu schaffen.
Das Buch gliedert sich in 8 Kapitel: In „Der Einstieg“ werden zunächst Anlässe und Motive Jugendlicher untersucht, sich überhaupt zur rechten Szene hingezogen zu fühlen. Das Miteinander in einer Gemeinschaft und das daraus resultierende Gefühl sozialer Anerkennung sind dafür ebenso Gründe, wie ein provozierendes Protestverhalten gegen das etablierte politische System oder der „Thrill“ durch gewalttätige Aktionen. Ein wesentlicher Faktor für oder gegen einen Einstieg sind jedoch fast immer die Erfahrungen im familiären Umfeld. Im Anschluß zeigt das Kapitel „Überzeugungen festigen sich“, daß sich meist erst während der Zugehörigkeit zur rechten Szene und der damit verbundenen ideologischen Indoktrination eine klare politische Identifizierung mit dieser entwickelt. „Rechte Ideologien – Rechte Fraktionen“ widmet sich den organisierten Gruppierungen der Szene. Dabei werden die politischen Parteien (NPD, DVU, REPs) und autonome Skinheadgruppen und Kameradschaften vorgestellt und die teils recht gravierenden Unterschiede in ihren Ideologien und Strategien aufgezeigt. Zwei Unterkapitel befassen sich außerdem mit dem Rechtsextremismus in Ostdeutschland und dem Geschlechterverhältnis bzw. der Rolle von Frauen in der rechten Szene. Es folgt „Der Rechtsextremismus und die ‚Mitte’ der Gesellschaft“. In diesem Kapitel wird deutlich, dass rechtsextreme Ideologien keine „exotischen“ Phänomene, sondern ein Spiegel der Gesellschaft sind. Zwar lehnt der deutsche Durchschnittsbürger gewalttätige Aktionen kategorisch ab, nichtsdestotrotz finden sich in weiten Teilen der Bevölkerung nach wie vor Ansichten, die sich mit rechtsextremen Positionen decken. Die Autorin warnt davor, die Problematik Rechtsextremismus auf Gewalttäter zu beschränken und diese Gefahr somit auf ein Randgruppenproblem zu reduzieren.
Es folgt „Der Rechtsextremismus – ein dominanztheoretischer Ansatz“: Hier wird zunächst auf die soziokulturellen Hintergründe von Rassismus und Rechtsextremismus eingegangen. Im Anschluss werden die dominanztheoretischen Gedanken in der modernen (und eigentlich egalitären) Gesellschaft hinterfragt, welche sich gerade auch in der so genannten ‚Mitte’ finden. „Erfahrungen in der rechtsextremen Szene“ schildert anhand von Fallbeispielen die Enttäuschungen und Widersprüche mit den eigenen Vorstellungen und „Idealen“, denen Jugendliche im rechten Szenealltag begegnen – Vorgänge, die irgendwann zu einem Hinterfragen der Ideologie und schließlich auch zum Bruch mit der Szene führen können.
„Der Ausstieg“ aus der Szene mit seinen Hindernissen wird im gleichnamigen 7. Kapitel anhand von Fallbeispielen dokumentiert. Abschließend werden in „Strategien gegen Rechtsextremismus“ Möglichkeiten vorgestellt, den Ausstieg jugendlicher Rechtsextremisten zu unterstützen. Dabei werden auch die Erfolgsdefizite staatlicher Sanktionen (= Haftstrafen) im Vergleich zu der Arbeit professioneller Organisationen wie EXIT deutlich. Ein Quellenverzeichnis und Literaturhinweise schließen den Band ab.

Thomas Wagner