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Zur Lage von Kindern aus Roma-Familien in Deutschland : Zusammenfassung der Ergebnisse einer Studie des Zentrums für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin / im Auftrag von UNICEF Deutschland. – Berlin, 2007. – 48 S. Blattsammlung 

Die Studie beginnt mit einer Einführung in die Lage der Sinti und Roma in Deutschland seit 1945. Die Autoren unterscheiden drei Gruppen: Die deutschen Sinti und Roma (heute etwa 70.000), die seit 600 Jahren bzw. seit Ende des 19. Jahrhunderts im deutschsprachigen Raum leben, deutsche Staatsbürger sind und über den Status der nationalen Minderheit verfügen.
Zur zweiten Gruppe zählen die zugewanderten Roma aus Jugoslawien, die Ende der sechziger Jahre als Arbeitsmigranten in die Bundesrepublik kamen. Inzwischen leben durch Familiennachzug einige zehntausend Roma in zweiter und dritter Generation in Deutschland, teils mit deutscher Staatsbürgerschaft, teils mit unbefristeter Aufenthaltserlaubnis.
Der dritten Gruppe gehören Roma-Flüchtlinge (etwa 40.000 bis 50.000) an, die ab 1990 nach Deutschland kamen. Aus unterschiedlichen Herkunftsländern stammend, gezeichnet durch ebenso unterschiedliche Fluchtbiographien stellen sie eine sehr heterogene Gruppe dar.
„Bei aller Binnendifferenzierung teilen die unterschiedlichen Gruppen allerdings die Erfahrung, immer wieder mit traditionellen Stereotypen vom „Zigeuner“ konfrontiert zu werden.“ (S. 3)
Gegenstand der Studie ist die Situation von Kindern aus Roma-Flüchtlingsfamilien, die seit 1990 in Deutschland leben. Die im Zeitraum von September 2006 bis Februar 2007 in den Großstädten Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln und Münster durchgeführten Untersuchungen – Fallstudien, Leitfadeninterviews – geben Aufschluss darüber, welchen Voraussetzungen und Bedingungen die Integration von Roma-Flüchtlingskindern unterliegt.
Die Studie hebt hervor: Der Zugang zum Bildungs-, Wohnungs- und Gesundheitsbereich hängt in hohem Maße vom Aufenthaltsstatus ab, der durch das neue Aufenthaltsgesetz von 2005 bestimmt wird. Etwa nur ein Drittel der Roma-Familien verfügt über eine Aufenthalts- bzw. Niederlassungserlaubnis. Erst dieser Status gibt ihnen die Möglichkeit zur Arbeitsaufnahme, zur Ausbildung und zum Umzug in Mietwohnungen. Die Mehrheit der Roma-Familien hat jedoch einen unsicheren Aufenthaltstatus und besitzt zeitlich begrenzte Aufenthaltspapiere. Die Situation dieser Roma-Kinder findet in der Studie besondere Beachtung. 
Die lokalen Befragungen ergaben, dass der Schulbesuch durch eine Reihe unterschiedlicher Faktoren erschwert wird: das Alter der Kinder bei der Einreise, die Fluchtbiographie, fehlende Schulpflicht, Unterbringungsfaktor, häufige Umzüge und Schulwechsel, mangelnde Elternhilfe bei schulischen Schwierigkeiten sowie kulturelle Besonderheiten.
Dass Integration gelingen kann, ist am Fallbeispiel Münster (NRW) zu erkennen. Obwohl es hier bis 2005 auch keine Schulpflicht für geduldete Flüchtlingskinder gab, waren fast alle Roma-Kinder in den Schulbereich einbezogen. (S. 28)
Etwa ab 2003 leiteten einige Städte einen Kurswechsel ein und gewährten unter bestimmten Auflagen auch geduldeten Flüchtlingen den Umzug in Mietwohnungen. (S. 35) Bibliographisch verzeichnete Primärquellen (relevante Dokumente aus Exekutive, Legislative, staatlicher Administration und einschlägigen Organisationen) aus den untersuchten Städten belegen diesen Kurswechsel. Im Anhang sind die Interview- und Gesprächspartner aus Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, Köln und Münster benannt. Statistische Daten beschließen die Studie. Mit Literaturverzeichnis.

Gisela Jonas