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Kiel, Svetlana:
Wie deutsch sind Russlanddeutsche? : eine empirische Studie zur ethnisch-kulturellen Identität in russlanddeutschen Aussiedlerfamilien
/ Svetlana Kiel. – Münster [u.a.] : Waxmann Verl., 2009. – 209 S. – (Internationale Hochschulschriften; Bd. 516)
ISBN 978-3-8309-2068-7

Bis zum Jahr 2005 kamen 2.334.334 Russlanddeutsche in die Bundesrepublik Deutschland. Damit stellen sie die größte Gruppe aller in Deutschland lebenden Aussiedler. Aufgrund ihres rechtlichen Status’ als „Deutsche“ unterscheidet sich die Gruppe der „Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion“ maßgeblich von anderen Migrantengruppen in der Bundesrepublik Deutschland.
„Mit dem Leben in der Bundesrepublik wird den Russlanddeutschen jedoch erstmals klar, dass das von ihnen gelebte und bewahrte ,Deutschtum’ hier nicht existiert.“ (S. 15)
Aus dem gelebten „Deutschtum“ in Russland entsprang ihre ethnisch-kulturelle Identität, deren Weitergabe an die nächste Generation für sie von großer Bedeutung war. Bei ihrer Einreise in die Bundesrepublik Deutschland stießen sie jedoch auf Fremdheit. Mit der Frage, wer sie sind und zu wem sie gehören, wird eine Auseinandersetzung mit der eigenen ethnisch-kulturellen Zugehörigkeit unumgänglich. (S. 15)
Diesen Prozess macht die Autorin Svetlana Kiel (geb. 1977) zum Forschungsgegenstand ihrer Dissertation. In ihrer Studie untersucht sie insgesamt die kulturelle Situation der Russlanddeutschen für die Zeit nach ihrer Migration in die Bundesrepublik Deutschland und deren Integrationsverhalten im Rahmen fremd erlebter Kultur.
Anhand von Familienporträts werden innerfamiliäre Tradierungslinien betrachtet. Sichtbar wird, wie die ethnisch-kulturelle Zugehörigkeit von den einzelnen Generationen unterschiedlich wahrgenommen wird. Faktoren wie Bildungsstand, Religionszugehörigkeit und nationale Zusammensetzung der Familien werden im Hinblick auf den Kulturkonflikt in die Analyse mit einbezogen. Diese empirische Studie und deren Ergebnisse stellen das Kernstück der Arbeit da. In den Fallbeschreibungen der fünf Familienporträts interpretiert und analysiert Svetlana Kiel die kulturelle Dimension des Lebens russlanddeutscher Aussiedler. Sie hebt hervor, „dass im Rahmen des Identitätsbildungsprozesses in allen russlanddeutschen Familien Ethnizität zu einer kollektiven Identitätsstrategie wird.“ (S. 181)  Aus  den jeweiligen familiären Hintergründen der Einzelnen hinsichtlich der kulturellen Identität ergeben sich aber heterogene Selbstbilder: „Nicht richtige Deutsche“ (S. 155), „Deutsche mit Makel“ (S. 156), „Deutsche mit ,russischem Glanz’“ (S. 157), die „wahren Deutschen“ (S. 158) sowie die „sowjetischen Leute“.
Die vorliegende Studie wird flankiert durch ein Einführungskapitel zur Geschichte und aktuellen Lage der Gruppe russlanddeutscher Aussiedler. Es folgt ein kurzer Überblick zum Stand der Aussiedlerforschung, deren theoretische Grundlagen für die Studie herangezogen wurden. Im Kapitel „Theoretischer Rahmen“ setzt sich S. Kiel mit den Konzepten von Kultur und kultureller Identität in modernen Gesellschaften auseinander. Im anschließenden Kapitel „Methodik und Forschungsdesign“ erläutert sie die in der empirischen Studie angewandte dokumentarische Methode. Dieses Kapitel bietet einen direkten Zugang zu den dann folgenden Ergebnissen der empirischen Studie.
Diese neuere wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der ethnisch-kulturellen Identität russlanddeutscher Aussiedlerfamilien wird vor allem Mitarbeiter und Interessenten aus dem Bereich der interkulturellen Bildung, aus Migrationsberatungsdiensten und sozialen Einrichtungen ansprechen. Umfangreiches Literaturverzeichnis

Gisela Jonas