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Erfolg in der Nische? : die Vietnamesen in der DDR und in Ostdeutschland / Hrsg. Karin Weiss ; Mike Dennis. – Münster [u.a.] : LIT Verl., 2005. – 170 S. – (Studien zu Migration und Minderheiten : Studies in Migration and Minorities; Bd. 13)
ISBN 3-8258-8779-0

„Die DDR war ein Paradies. Damals war sie für uns ein wunderbares Land“ (S. 97), Zitat aus einem von 30 biografischen Interviews mit ehemaligen vietnamesischen Vertragsarbeitern, geführt zwischen 2002 und 2004. Diese Interviews werden von Eva Kolinsky in ihrem Beitrag „,Paradies Ostdeutschland’ – Migrationserwartungen und Migrationserfahrungen ehemaliger Vertragsarbeiter und Vertragsarbeiterinnen aus Vietnam“ ausgewertet.
Auf der Grundlage des Regierungsabkommens zwischen der DDR und der SR Vietnam vom 11. April 1980 beziehungsweise der Neufassung vom 1. Juli 1987 kamen bis 1989 etwa 60 000 Vertragsarbeiter in die DDR.
Die Publikation stützt sich auf Ergebnisse eines von der University of Wolverhampton initiierten und durchgeführten Forschungsprojektes, an dem auch die Fachhochschule Potsdam beteiligt war. Auf der Datenbasis von Dokumenten aus der Zeit der DDR untersucht Mike Dennis (Projektleiter) in seinem Beitrag insbesondere die Lebens- und Arbeitsbedingungen der vietnamesischen Vertragsarbeiter in der DDR im Zeitraum von 1980 bis 1989. Er stellt fest: „Eine Integration der Vertragsarbeiter in die DDR-Gesellschaft war dabei weder erwünscht noch erlaubt, die Vertragsarbeiter lebten in einer geschlossenen separaten Kultur, die nur punktuell Kontakte zur umgebenden deutschen Gesellschaft entwickeln konnte, sich aber dennoch auf ihre Weise in dieser Gesellschaft behauptete.“ (S. 10) Andere Kapitel zeigen auf, wie sich seit der Zeit der Wende die Lebenssituation der ehemaligen Vertragsarbeiter veränderte. So beschreibt Almuth Berger, damalige Staatssekretärin für den Bereich Ausländerangelegenheiten, wie aufgrund des Zusammenbruchs der DDR-Wirtschaft die Arbeitsverträge der Vertragsarbeiter gekündigt und ihre Wohnheime aufgelöst wurden. Viele mussten das Land verlassen bzw. waren plötzlich auf sich allein gestellt. An diesem Punkt setzte die Arbeit der Ausländerbeauftragten in den neuen Bundesländern ein. Eva Kolinsky schildert in ihrem Beitrag „Das Ende der Unberatenheit – Ausländerbeauftragte in Ostdeutschland“, wie es gelang, das Amt eines Ausländerbeauftragten organisatorisch in den Stadtverwaltungen zu verankern. Gemeinsam setzten sich die Ausländerbeauftragten für ein Bleiberecht der in Ostdeutschland verbliebenen Vertragsarbeiter ein. 1993 wurde eine erste Bleiberechtsregelung erkämpft und 1997 ein endgültiges Bleiberecht verabschiedet. Karin Weiss beschreibt in zwei Beiträgen die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Aufenthalt sowie die berufliche, soziale und ökonomische Situation der ehemaligen Arbeitskräfte aus Vietnam unter den gegenwärtigen Bedingungen. Sie untersucht insbesondere den massiven Anstieg von Fremdenfeindlichkeit nach der Wende und hebt hervor, wie diese zu Solidarisierung, Selbsthilfe und ethnischen Netzwerken der Vietnamesen führten. Drei persönliche Berichte unterstreichen diese Entwicklung. Dao Minh Quang befasst sich mit den Strukturen der selbstständigen vietnamesischen Kleinunternehmer; Phuong Kollath schreibt über den ersten vietnamesischen Selbsthilfeverein „Diên Hông“ sowie über die Integrationsarbeit in Rostock; Hai Bluhm berichtet über den Frauenverein „Song Hong“ in Potsdam.
Hinzuweisen wäre noch auf einen ergänzenden Beitrag von Damian Mac Con Uladh, der sich mit den Alltagserfahrungen anderer ausländischer Vertragsarbeiter in der DDR (aus Ungarn, Polen, Algerien, Kuba, Mosambik, Angola) auseinander setzt.
Quellen- und Literaturangaben.

Gisela Jonas