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Köppel, Petra: 
Konflikte und Synergien in multikulturellen Teams : virtuelle und face-to-face-Kooperation
/ Petra Köppel. Mit e. Geleitw. von Dieter Wagner. – 1. Aufl. – Wiesbaden : Universitäts-Verl., 2007. – 355 S. : 39 Abb.; 29 Tab. – (Gabler Edition Wissenschaft : Beiträge zum Diversity-Management)
ISBN 978-3-8350-0873-1

Längst ist bekannt, dass aufgrund der Globalisierung die Märkte immer enger zusammenwachsen und Unternehmen international agieren. Selbstverständlich erscheint es da, dass Führungskräfte und Mitarbeiter aus der ganzen Welt in virtuellen Teams zusammenarbeiten, gemeinsam Ideen entwickeln und Probleme lösen. Doch scheinen Konflikte in multikulturellen Arbeitsgruppen aufgrund von Kommunikationsproblemen, unterschiedlichen Arbeitsstilen und kulturspezifischen Verhaltensweisen vorhersehbar. Nun könnte man dazu übergehen, Kultur als ein ungewünschtes, bisweilen sogar störendes Element zu betrachten, welches es nach Möglichkeit zu vermeiden gelte. 
Doch genau diesem Standpunkt versucht Petra Köppel mit ihrer Dissertation entgegenzuwirken. Anhand empirischer Forschung in sechs deutschen und schweizerischen Unternehmen entwickelt sie ein Modell, welches die einzelnen konfliktanfälligen Momente in multikulturellen Arbeitsgruppen aufdeckt. Mit Hilfe des so genannten Multikulturellen Input-Prozess-Output-Modells (MIPO-Modell) werden jene Prozesse untersucht, durch die Kultur und virtuelle Kooperation die Gruppeneffektivität erhöhen oder beeinträchtigen. Das Ergebnis zeigt deutlich, dass trotz interkulturellen Trainings sowohl Teammitglieder als auch Führungskräfte nicht ausreichend auf die neuen Anforderungen vorbereitet sind. Besonders in den Bereichen Kommunikation, Führungs- und Arbeitsstil und Konfliktbewältigung kommt es immer wieder zu Spannungen. Anhand von Beispielen aus den während ihrer Forschung geführten Interviews veranschaulicht Köppel das Problem: So verstehen Deutsche in der Regel indirekte Aussagen falsch, sie erwarten von ihrem Gegenüber klare Antworten. Gerade im asiatischen Raum werden viele Botschaften jedoch in Höflichkeitsformen verpackt oder durch Andeutungen übermittelt. Permanentes Nachhaken wird schnell als persönlicher Angriff gewertet. 
Häufen sich solche Konflikte, mindert sich die Effizienz der Leistung: Informationen gehen verloren, Missverständnisse entstehen, und die Aufgaben werden nicht zur allgemeinen Zufriedenheit erledigt. Für den Mitarbeiter bedeutet dies Stress, womöglich sogar persönliche Kränkung und Frustration.
Nach Köppel sind daher eine intensivere Förderung der interkulturellen Kompetenz und eine ständige Begleitung bei der Teamentwicklung notwendig. Nur so können Konflikte im Ansatz erkannt und adäquat gelöst werden. 
Ganz im Sinne der Value-of-diversity-Hypothese soll so eine gemeinsame Basis geschaffen werden, auf der die kulturellen, fachlichen und persönlichen Unterschiede der Mitarbeiter konstruktiv genutzt werden können. Kultur stellt hier nicht ein Hindernis, sondern einen Vorteil dar. Die unterschiedlichen Herangehensweisen und kulturspezifischen Problemlösungsansätze lassen etwas Neues entstehen; Mittels erhöhter Kreativität und Motivation können sich die Mitglieder multikultureller Teams gegenseitig zu innovativen Ideen inspirieren. Kulturelle Unterschiede werden so zu einer Chance für Unternehmen, die von einer globalisierten Welt profitieren wollen.
Mit dieser Studie füllt Petra Köppel nicht nur eine Lücke in der wissenschaftlichen Forschungsliteratur, sondern sie dient auch Mitarbeitern in multikulturellen Teams als wichtige Informationsquelle. Neben der Vermittlung von wissenschaftlichen Theorien gelingt es ihr besonders mit Beispielen aus der empirischen Untersuchung, den Leser für die zugrunde liegenden Prozesse in virtuellen multikulturellen Teams zu sensibilisieren.
Dr. Petra Köppel ist Projektmanagerin im Kompetenzzentrum Unternehmenskultur / Führung der Bertelsmann Stiftung und Mitautorin der Studie "Cultural Diversity Management in Deutschland hinkt hinterher". Umfangreiches Literaturverzeichnis (40 S.).

Friederike Faust