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Interkulturell denken und handeln : theoretische Grundlagen und gesellschaftliche Praxis / Hrsg. Hans Nicklas; Burkhard Müller; Hagen Kordes. – Frankfurt/Main [u.a.] : Campus-Verl., 2006. – 419 S. – (Europäische Bibliothek interkultureller Studien; Bd. 12)
ISBN-10: 3-593-38020-X

Ebenso eindeutig wie einleuchtend ist der von den Herausgebern dieses theoretisch fordernden Handbuches vertretene Kerngedanke, dass die Bewältigung interkultureller Probleme zu Beginn des 21. Jahrhunderts „nicht mehr nur eine Frage des gesellschaftlichen Umgangs mit Minderheiten ist. Sie ist vielmehr zur allgemeinen Lebensbedingung geworden ... Wer dies verstehen will, braucht mehr als eine Pädagogik der kulturellen Integration.“ (S. 12) 
Davon ausgehend fasst der thematisch breit gefächerte und differenziert gegliederte Band den derzeitigen Stand der interkulturellen Diskussion in Deutschland und Frankreich zusammen. Er bezieht sich dabei auf einen schon 1999 in Frankreich erschienenen Vorläuferband. Schlüsseltexte daraus, u.a. Abhandlungen des französischen Philosophen und Sozialpsychologen Jaques Demorgon, wurden in die vorliegende Edition übernommen.
In und mit ihren mehr als 40 fundierten Einzelbeiträgen zum Thema Interkulturalität tragen die Autoren – Forscher und Praktiker – dazu bei, eine oft noch anzutreffende „Begrenzung und Segmentierung der gesellschaftlichen Auseinandersetzung über den interkulturellen Wandel Schritt für Schritt zu überwinden.“ (S. 14)
Der thematische Bogen des Buches spannt sich von der Erläuterung oft gebrauchter Schlüsselbegriffe (Multikultur, Transkultur, Leitkultur, Interkultur; Ethnien, Nationen, Zivilisationen) und historischer Entwicklungslinien über interkulturelle Probleme und Handlungsfelder wie Schule, Sozialarbeit und Gesundheit, Management und Pädagogik internationaler Begegnungen bis hin zu praktischen Methoden und Interventionsformen in der interkulturellen Arbeit mit Jugendlichen und Erwachsenen. 
Mit aktuellen Fragen der Diskriminierung von Migranten setzt sich Axel Schulte in seinem Beitrag „Diskriminierung als soziales Problem und politische Herausforderung“ (S.369-380) auseinander. In Bezug auf wirksame Antidiskriminierungsmaßnahmen warnt der Autor vor allzu einfachen wie eingleisigen Lösungswegen. Er plädiert für eine „kombinierte Strategie“ (S. 373) als aussichtsreichste Gegenmaßnahme.
Ohne Zweifel ist das Handbuch sowohl für die Forschung als auch für die interkulturelle Praxis von besonderer Bedeutung. Seine von den Herausgebern ausdrücklich betonte Eignung als Nachschlagewerk und Lehrbuch für die Aus- und Weiterbildung von Lehrern, Erwachsenenbildnern, Managern und Sozialarbeitern wird es jedoch erst in der Praxis selbst unter Beweis stellen müssen.
Literaturangaben am Ende jedes Beitrags, Register der Schlüsselbegriffe.

Marianne Jonzeck