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Finkelstein, Kerstin E.:
„Wir haben Erfolg!“ : 30 muslimische Frauen in Deutschland
/ Kerstin E. Finkelstein. Vorwort Seyran Ateş. – Köln : Fackelträger Verl., 2008. – 223 S.
ISBN 978-3-7716-4367-6

Sie gelten als erfolgreich: die Fußballerin M. Ardahanli, die Polizeikommissarin B. Öner, die Rapperin und Germanistin R. Sahin (Lady Ray) ebenso wie die Bundestagsabgeordnete Dr. L. Akgün, die Zahnärztin Dr. E. Cezairli und die Unternehmerin N. Özel, eine bikulturelle Selfmadefrau. (S. 182) 
Für diese Porträtsammlung befragte K. E. Finkelstein 29 muslimische Frauen in Deutschland nach ihrem Leben und den verschiedenen Wegen ihrer Karriere. Die Interviewten bestimmten selbst „über Fokus und Wertung ihrer Erfahrungen ...“. (S. 219)
Fast alle der hier porträtierten Elitefrauen einschließlich der bekannten Rechtsanwältin und Autorin S. Ateş (s. Archiv Buchtipp 0208), die für dieses Buch ein anregendes Vorwort schrieb, haben in Deutschland ihre Heimat gefunden, ohne dabei die Bindung an ihre Herkunftskulturen aufzugeben. Vor allem auch aus diesem Grund verwahren sie sich dagegen, in und von der Mehrheitsgesellschaft oft nur als Migrantinnen und Musliminnen und nicht einfach als Mitbürgerinnen wahrgenommen zu werden. Dr. E. Cezairli bringt diese Problemlage auf den Punkt: „Muslime werden zu einer Minderheit gemacht, indem man sie auf ihre Religionszugehörigkeit reduziert. Ich möchte als ein gleichberechtigtes Individuum mit unterschiedlichen Identitäten, als Bürgerin dieser Gesellschaft respektiert werden. Ich sehe mich ... in erster Linie als Demokratin und als Teil der Mehrheit.“ (S. 65)
Was diese Frauen, couragierte und liberale Musliminnen, trotz aller Verschiedenheiten miteinander verbindet, ist ihr ausgeprägtes bürgerschaftliches Engagement vor allem im Sozial- und Bildungsbereich. Ausgehend von ihrer eigenen Biografie engagieren sie sich mit Erfolg für Belange der deutschen Gesellschaft sowie für die Migranten. „Ich habe eine sehr gute Ausbildung bekommen“, so die Geschäftsfrau A. Özkan, „viele Jugendliche haben diese Chance nicht. Also möchte ich etwas von meinen Möglichkeiten weitergeben.“ (S. 189)
Bildung im weitesten Sinne nimmt in den Schilderungen der Porträtierten einen entscheidenden Platz ein. Stellvertretend für viele kluge und überzeugende Überlegungen zu diesem Thema die Auffassung der Ärztin N. Fahrali aus Berlin: „Erfolg messe ich an Bildung. Das bedeutet nicht, dass ein Kind gleich Professor werden muss, aber es sollte eben Rad fahren und schwimmen lernen, lesen und wissen, dass es auch ein Ostberlin gibt.“ (S. 70)
Mit ihrem Buch möchte die Autorin den immer noch sehr eingeengten Blickwinkel, aus dem Frauen aus islamisch geprägten Herkunftsländern in Deutschland gesehen werden, erweitern. Ihre Hoffnung dürfte sich erfüllen, denn diese kurzen, authentischen Lebensgeschichten sind, wie S. Ateş hervorhebt, „voller Leben, Kraft, Zuversicht und Hoffnung. Sie zeigen uns, dass es sich lohnt, aktiv zu sein. Sie zeigen uns auch ..., wie viel jede(r) Einzelne für ein besseres Zusammenleben der Kulturen und Religionen tun kann.“ (S. 9)
Nachwort von Dr. Kerstin E. Finkelstein; Bildnachweis.

M. Jonzeck