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Wer gehört dazu? : Zugehörigkeit als Voraussetzung für Integration / Hrsg. Bertelsmann Stiftung. – Gütersloh : Verl. Bertelsmann Stiftung, 2011. – 256 S.
ISBN 978-3-86793-072-7

Diesem Sammelband unter dem Titel „Wer gehört dazu? : Zugehörigkeit als Voraussetzung für Integration“ mit 14 Beiträgen verschiedener Autoren gingen entsprechende Diskussionsrunden mit Vertretern aus Politik, Verbänden, Migrationsorganisationen und Verwaltungen voraus. Initiator war die Bertelsmann Stiftung.
Beleuchtet werden die unterschiedlichen Arten gesellschaftlicher Teilhabe und die gegenwärtige Situation von gesellschaftlicher Zugehörigkeit und Präsenz von Migranten.
Grundsätzliche Fragen zum Zusammenhang von Staatsbürgerschaft, Teilhabe und Zugehörigkeit stehen in einem Themenkomplex über rechtliche Teilhabe zur Erörterung.
S. Angenendt analysiert in seinem Beitrag „Staatsbürgerschaft, Teilhabe und Zugehörigkeit: Auf der Suche nach einem neuen Konsens für Deutschland“ (S. 29 ff.) die rückläufige Entwicklung von Einbürgerungen. Er stellt die Frage, inwieweit das deutsche Staatsangehörigkeitsrecht zur geringen Einbürgerungsbereitschaft beiträgt. Eine wesentliche Hürde sieht Angenendt im Zwang zur Aufgabe der Staatsbürgerschaft des Herkunftslandes.
Interessante Aussagen zur Staatsangehörigkeit als legalen Status trifft R. Bauböck in seinen Beitrag: „Ein Stakeholder-Prinzip für Staatsbürgerschaft: Ist die Zeit reif?“ (S. 51 ff.). Ausgangspunkt dieser Untersuchung ist das Menschenrecht auf Staatsangehörigkeit.
Wie R. Bauböck plädieren auch andere Autoren für die doppelte Staatsbürgerschaft.
T. Keltek sowie N. Huss erachten eine Reform des Staatsangehörigkeitsgesetzes für unerlässlich. Die „Mehrstaatigkeit müsste unabhängig von der Herkunftsstaatsangehörigkeit ermöglicht und die gesetzliche Ungleichheit verschiedener Herkunftsländer beseitigt werden.“ (S. 80)
In einem anderen Themenkomplex wird die politische Teilhabe, das heißt die gesellschaftliche Präsenz von Migranten sowie ihre Repräsentation in den Parteien erörtert.
Weitere Beiträge setzen sich mit dem Thema sozioökonomische Teilhabe auseinander.
Besonders S. Yazar beschäftigt sich in seinem Beitrag: „Zugänge zum Arbeitsmarkt und Präsenz in der Gesellschaft – Diskriminierungserfahrungen von Migranten und People of Color“ (S. 159 ff.) ganz speziell mit Mechanismen der Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt.
Über Gleichbehandlungspolitik in Deutschland referiert Ch. Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes.
Im Kontext dazu nehmen N. Banulescu-Bogdan und T. E. Givens in ihrer Arbeit Stellung zum Stand der Antidiskriminierungsgesetze in Europa. Genauer betrachten sie die Gleichbehandlungsstellen der Mitgliedstaaten. Ihr Fazit: „In fast allen EU-Mitgliedstaaten wurden zufriedenstellende – und zunehmend flächendeckende – Gesetze für den Kampf gegen Diskriminierung verabschiedet, doch sie werden nicht ausreichend angewandt.“ (S. 156)
Der kulturellen und emotionalen Teilhabe widmen sich die Autoren H.-H. Uslucan  („Migrantische Selbst- und Fremdplatzierungen“, S. 199 ff.), G. Pavkovic („Wir sind Stuttgart“, S. 219ff.) und A. Polat („Wer ist Oldenbürger?“, S.277 ff.). Ihre Ausführungen sind insofern von großem Interesse, weil sie sich mit der gesellschaftlichen Definition des „Fremden“ sowie mit Fragen der Identität auseinandersetzen.
Fast alle Arbeiten dieses Bandes nehmen Bezug auf die aktuelle Integrationsdebatte, die in einer negativen Grundstimmung feststecke. (S. 248) Eine „kritische Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken von Zuwanderung wäre“ – nach Auffassung der meisten Autoren – „die wichtigste Voraussetzung für die Entwicklung von Strategien zur Verbesserung der gesellschaftlichen und  politischen Teilhabe der Zuwanderer.“ (S. 47)
Literaturangaben zu allen Beiträgen.

Gisela Jonas

Anmerkung: „Zugehörigkeit und Selbstbestimmung“ sind auch das Motto der Tage des Interkulturellen Dialogs, eine Veranstaltungsreihe mit über fünfzig Dialogrunden zwischen dem 17. Oktober und dem 17. November 2011 in allen Berliner Stadtbezirken.

WWW.TAGE-DES-INTERKULTURELLEN-DIALOGS.DE