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Migranten in der deutschen Politik / Hrsg. Marvin Oppong. – 1. Aufl. – Wiesbaden : VS Verl., 2011. – 157 S.
ISBN 978-3-531-17057-2

In 17 Beiträgen dieses Sammelbandes äußern sich Migrantinnen und Migranten aus acht Nationen über ihre politische Partizipation in Deutschland.
Stellvertretend für die Integrationspolitik der Parteien kommen sechs amtierende Politiker zu Wort. Sie gehören unter anderem dem Deutschen Bundestag sowie dem Berliner Abgeordnetenhaus an. Ihre persönlichen Erfahrungen als Migrantenpolitiker verbinden sie mit einer kritischen Analyse und konkreten Empfehlungen für die Integrationspolitik in Deutschland.
Der sicherheitspolitische Sprecher der Grünen im Bundestag Omid Nouripour, der die deutsche und iranische Staatsangehörigkeit besitzt, setzt sich in seinem Beitrag „Deutschland zwischen Integrationsdebatten und Loyalitätsparanoia“ (S. 13-24) für eine doppelte Staatsbürgerschaft ein.
Sebastian Edathy, Mitglied des Vorstands der SPD-Bundesfraktion, wirbt für die Einführung des Kommunalwahlrechts für Drittstaatler. (S. 25-31)
Über „Integration durch politische Partizipation am Beispiel des Deutsch-Türkischen Forums der CDU“ (S. 39-43) schreibt Bülent Arslan, Mitglied des Landesvorstands der CDU Nordrhein-Westfalen. Das Deutsch-Türkische Forum in Nordrhein-Westfalen, das vor allem Integration fördern soll, kann, so Arslan, „eine Brücke zwischen den Prinzipien der CDU, der er als Verein angehört, und den türkischstämmigen Wahlberechtigten schlagen.“ (S. 42)
Aufschlussreich auch die Aussagen von Josip Juratovic „Vom Fließband in den Bundestag : Wie ich als erster Gastarbeiter ins deutsche Parlament gewählt wurde.“ (S. 45-53) Er schildert darin sehr lebendig den langwierigen innerparteilichen Kampf mit seinen sozialdemokratischen Genossen um ein Mandat für den Bundestag. „Dies ist durchaus nachvollziehbar, denn es ist für eine Volkspartei nicht einfach, mit einem Gastarbeiter auf Stimmenfang zu gehen.“ (S. 49)
Die Befürchtung in den Parteien, das Werben um Migranten könnte Stammwähler abschrecken, wird auch von anderen Autoren des Buches thematisiert.
Eine besondere Stellung nimmt die theoretische Untersuchung von Devrimsel Deniz Nergiz, Doktorandin an der Bielefeld Graduate School in History and Sociology, ein. In ihrer Arbeit unter dem Titel „,Gäste können nicht mitspielen’ – Mandatsträger kommen zu Wort“ (S. 63-78) stellt die Autorin noch unveröffentlichte wissenschaftliche Forschungsergebnisse über das Rollenverständnis, die Verhaltensschemata und die politischen Strategien von Migrantenpolitikerinnen und –politikern und die Einbindung von Migranten in die deutsche Politik vor. (S. 10, Vorwort)
Weiter kommen unabhängige Stimmen zu Wort: Experten, Praktiker, Journalisten, Künstler sowie Mitglieder der „People of Colour“–Organisationen. Deren Erfahrungen spiegeln die Defizite der Integrationspolitik in Deutschland wider.
Yonas Endrias, Mitglied im Landesbeirat für Migration und Integration des Berliner Senats, äußert sich kritisch über die Möglichkeiten der Mitarbeit von NGOs bei der Erstellung des „Landesaktionsplans gegen Rassismus und ethnische Diskriminierung“ in Berlin. (S. 97) Die politische Teilhabe von Immigranten habe nicht stattgefunden.
Kritische Aussagen über den Weg von Migranten in die deutsche Politik (S. 79-86) trifft ebenfalls der Deutsch-Koreaner Martin Hyun, Mitglied des Vorstands der Deutsch-Koreanischen Gesellschaft.
Die Journalistin Ferda Ataman wirft in ihrem Beitrag „Migranten, Medien und die Politik“ (S. 127-133) einen Blick auf deren Wechselbeziehungen. „Die permanent negative Berichterstattung kann Ausländerfeindlichkeit und Rassismus bei der Mehrheitsgesellschaft zur Folge haben, ebenso wie Deutschenhass und Ablehnung bei den betroffenen Minderheiten.“ (S. 129)
Mehrere Autoren, Tahir Della, Sipua Ngnoubamdjun, Adetoun und Michael Küppers-Adebisi, vertreten in ihren Beiträgen die Interessen der Schwarzen Minderheit in Deutschland.
Tahir Della, Vorstandsmitglied der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD), schreibt „aus der Sicht eines langjährigen Aktivisten über die Ziele und die Notwendigkeit einer Schwarzen Bewegung in Deutschland, die sich die Emanzipation Schwarzer Menschen gegenüber der weißen Mehrheitsgesellschaft, zur Aufgabe gemacht hat, die politische Partizipation Schwarzer Bürgerinnen und Bürger zu erwirken und ihre Perspektiven, Lebensentwürfe und Konzepte in diesem Land zu entwickeln.“ (S. 101) Der Autor hebt hervor, dass die von ihm dargelegten Erkenntnisse die Diskussionen und Entwicklungen der Schwarzen Community in Deutschland wiedergeben.
Der Sammelband, eine nach Aussage des Verlages kritische Bestandsaufnahme der gegenwärtigen Repräsentation von Migranten in der deutschen Politik, wendet sich an Wissenschaftler, Praktiker, Studierende und fachlich Interessierte.
Kurzbiographien der Autorinnen und Autoren, Anmerkungen im Text.

Gisela Jonas