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Vom Fliehen und Ankommen : Flüchtlinge erzählen / aufgezeichn. von Christian Horn …; hrsg. von PRO ASYL. - Orig.-Ausg., 1. Aufl. – Karlsruhe : Loeper Literaturverl., 2006. – 142 S. : zahlr. Fotogr.
ISBN-10: 3-86059-331-5 ISBN-13: 978-3-86059-331-8

„Ganz gleich, ob man von Ausländern, Gastarbeitern, Migranten, ausländischen Mitbürgern, Deutschen mit Migrationshintergrund, Bildungsinländern und so weiter spricht – es wird immer ein Unterschied gemacht. Es wird immer eine Abgrenzung vorgenommen gegenüber den Deutschen, die schon ,immer’ hier gelebt haben. Deshalb halte ich von diesen Begriffen gar nichts, das ist nur Schönrednerei. Man fühlt sich vielleicht besser, weil man sich an die political correctness gehalten hat. … Ich habe heute die deutsche Staatsbürgerschaft, fühle mich aber immer noch als Flüchtling“ (S. 54). Diese Einschätzung trifft Mehrschad Zaeri Esfahani, der als zwölfjähriger mit seinen Eltern 1985 aus dem Iran nach Deutschland floh, hier Informatik studierte und heute als Software-Architekt arbeitet.
Paimana Heydar wurde 1983 in Kabul geboren. Ihre Familie floh 1989 aus Afghanistan und stellte 1995 einen Asylantrag in Deutschland. 2005 machte sie in Neuruppin das Abitur, konnte aufgrund der Residenzpflicht nicht in eine Universitätsstadt umziehen und hatte auch kein Recht auf eine Arbeitsstelle. Zu ihrer Situation heute stellt sie fest: „Ich werde in meinen Entfaltungsmöglichkeiten massiv eingeschränkt. Das ist in meinen Augen rassistisch. … Als Flüchtling mit Kettenduldung werde ich gezwungen, vom Staat zu leben. Dies allein ist schon menschenunwürdig. Ebenso schlimm sind das langwierige Asylverfahren und das Leben mit der Angst, auch nach zehn Jahren Aufenthalt in Deutschland immer noch mit Abschiebung rechnen zu müssen“ (S. 80). 
Zwei ausgewählte Stimmen von 17 Flüchtlingen u. a. aus Chile, Sri Lanka, Bosnien-Herzegowina / Kosovo, Irak, Tschetschenien, Liberia, die in diesem Band zu Worte kommen. Sie erzählen von Heimatlosigkeit und Neuanfang, von erfolgreicher und scheiternder Eingliederung in ein zunächst völlig unbekanntes Land, von teils widrigen Umständen, denen sie häufig in den Asylheimen ausgesetzt sind. Sie machen dem Leser deutlich, wie ihre Lebensbedingungen in hohem Maße durch restriktive Gesetze – Asylverfahren, Residenzpflicht, Arbeitsverbot und Asylbewerberleistungsgesetz – eingeschränkt sind.
Die Berichte von bzw. über Paimana Heydar (Afghanistan), Ibrahim Delen (Türkei) und Joao Nafilo (Angola) zeigen insbesondere, was es für Jugendliche ohne Bleiberecht bedeutet, im Kampf mit der deutschen Bürokratie einen Studienplatz zu erhalten (S. 10).
Die historisch-chronologisch geordneten Texte dieses Bandes – Reportagen, Ich-Erzählungen, Interviews – sind nach Gesprächen entstanden, die PRO ASYL mit Flüchtlingen im Frühjahr 2006 geführt hat. Historische Ereignisse in den Herkunftsländern, die die Ursache und der Anlass für die Flucht der betreffenden Asylsuchenden waren, werden kurz kommentiert und dem einzelnen Beitrag vorangestellt.
Ein wichtiges Buch für Vereine, Organisationen und engagierte Bürger, die in der praktischen Flüchtlingsarbeit tätig sind. Mit Glossar.

Gisela Jonas