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Sadinam, Mojtaba:
Unerwünscht : drei Brüder aus dem Iran erzählen ihre deutsche Geschichte
/ Mojtaba, Masoud und Milad Sadinam. – Berlin : Bloomsbury Verl., 2012. – 251 S.
ISBN 978-3-8270-1079-7I

Mit ihrer Mutter, einer Regimekritikerin, kamen die drei Sadinam-Brüder (12 und 10 Jahre alt) 1996 mit einem Schlepper illegal nach Deutschland.
Von ihrer Flucht aus dem Iran und ihrem Schicksal als Asylbewerber in Deutschland erzählen Mojtaba, Masoud und Milad Sadinam in ihrem Buch „Unerwünscht“. Sie reflektieren ihre Geschichte abwechselnd, geben so jedem Kapitel einen eigenen persönlichen Ton.
Ihre erste Station war ein Auffanglager in Münster. Die erste Anhörung beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge verlief erfolglos. Ihr Asylantrag wurde abgelehnt. Die Sadinams kämpften um ihr Bleiberecht und lebten neun Jahre mit der Angst, abgeschoben zu werden.
Nach 5 Jahren starteten sie einen zweiten Anlauf und beantragten beim Verwaltungsgericht Münster erneut Asyl. Die Brüder besuchten zu der Zeit bereits das Gymnasium; die Mutter hatte eine Ausbildung zur Krankenschwester aufgenommen. Der Schock war groß, als der Richter das Urteil verkündete: Der Asylantrag wurde wiederum abgelehnt. Gegen dieses Urteil klagten sie ein weiteres Mal und durchliefen dabei alle Instanzen bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte. Sie hatten keinen Erfolg. Kein Richter schenkte ihnen Gehör.
Nach 7 Jahren wollte die Ausländerbehörde die Sadinams zwingen, freiwillig auszureisen: „’Unsere Aufgabe ist es, aufenthaltsbeendende Maßnahmen zu ergreifen. Sie müssen dieses Land verlassen, und wenn Sie nicht freiwillig ausreisen, zwingen wir Sie dazu.’“ (S. 210) Die Mutter bricht zusammen und unternimmt einen Suizidversuch. Moitaba beschreibt die einzelnen Schritte der „Zermürbungstaktik“ des Behördenapperats: „Jeder Beamte, jeder Richter, jeder Sachbearbeiter trug nur einen Teil zum Ganzen bei. …Es war die perfekt organisierte Verantwortungslosigkeit.“ (S. 216)
Neun Jahre lebten die Sadinams in Asylbewerberunterkünften, ohne Arbeitserlaubnis, gebunden an die Residenzpflicht, immer mit der Angst abgeschoben zu werden.
Als im Jahr 2005 ein neues Zuwanderungsgesetz in Kraft trat, erteilte man den Sadinam-Brüdern endlich die Aufenthaltserlaubnis. Aufgrund mehrerer psychologischer Gutachten erhielt auch die Mutter eine Aufenthaltserlaubnis.
„Nach so vielen Jahren der Fremdbestimmung konnten wir endlich unser Leben selbst gestalten. Der Besuch der besten Hochschulen war der erste Schritt dazu.“ (S. 228)
Der schwierige Weg der drei Brüder von iranischen Flüchtlingen zu deutschen Elitestudenten wird gern als Beispiel für eine perfekte Integration hingestellt. Die Sadinams wehren sich dagegen, als „Vorzeigemigranten“ vereinnahmt zu werden. „Aber das ist platt, so sehr vereinfacht, dass es falsch ist. Allein hätten wir gar nichts geschafft. Unzählige haben uns geholfen.“ (S. 243)
In ihrem Buch „Unerwünscht“ hinterfragen sie die teils menschenunwürdige Auslegung der Asylgesetze, der sie neun Jahre ausgesetzt waren. Zugleich ist es ein bemerkenswerter Beitrag zur Integrationsdebatte in Deutschland.

Gisela Jonas