Erreichbarkeit

Zur Zeit haben wir kein Büro. Sie erreichen uns per E-mail, bitte geben sie dabei eine Rückmeldemöglichkeit an: Kontakt

Sie möchten unser Engagement unterstützen?

Aukongo, Stefanie-Lahya:
Kalungas Kind : wie die DDR mein Leben rettete
/ Stefanie-Lahya Aukongo. – Orig.-Ausg., 2. Aufl. – Reinbek bei Hamburg : Rowohlt, 2009. – 253 S. : Fotogr., 1 Kt.
(rororo; 62500 : paperback)           ISBN 978 3 499 62 5008

Stefanie-Lahya Aukongo, die Autorin dieses sehr persönlichen und eindrucksvollen autobiografischen Berichts, kam am 13. September 1978 auf der „Solidaritätsstation“ im Klinikum Buch in Ostberlin zur Welt.
Ihre Mutter wurde schwer verletzt, als südafrikanische Truppen am 4. Mai 1978 das Flüchtlingslager Cassinga in der Nähe der namibisch-angolanischen Grenze überfielen. Cassinga war ein Flüchtlingslager der SWAPO, der namibischen Befreiungsorganisation, in dem vor allem Frauen, Kinder und alte Menschen untergebracht waren. Mehrere hundert Menschen starben bei diesem auch international verurteilten Überfall. Ihre schwer verwundete Mutter gehörte zu den ersten Verletzten, die sofort zur medizinischen Behandlung nach Ostberlin ausgeflogen wurden.
S.-L. Aukongo erlitt noch im Mutterleib Schussverletzungen. Schwere körperliche Behinderungen waren die Folge. Die Berliner Familie Schmieder nahm das behinderte Kind in ihre Obhut und pflegte es liebevoll. Rudi Schmieder war Cheftrainer des Nationalteams der Eisschnellläuferinnen der DDR, seine Frau Angestellte der Berliner Sparkasse, eine Tochter Stewardess bei der Interflug, die andere Medizinstudentin.
1980 schickten die DDR-Behörden Mutter und Kind nach Angola, ein Land im Bürgerkrieg, zurück. Unter großen Anstrengungen gelingt es der Pflegefamilie, das bereits vom Tod gezeichnete kleine Mädchen 1981 aus Afrika zurückzuholen.
In ihrem Buch wie auch im Gespräch mit Abini Zöllner (Berliner Zeitung, Nr. 61, 13./14. März 2010, Magazin, S. 8) berichtet Stefanie-Lahya Aukongo über ihre Kindheit in der DDR, einem „Staat, in dem ich in Frieden leben konnte, in dem es keinen Krieg gab. Ich bin zur Schule gegangen, habe gerne Timurhilfe gemacht und keine Repressalien erlebt.“ (s. o. Berliner Zeitung)  Sie erzählt weiter, wie sie als Vierzehnjährige zum ersten Mal, voller Angst, in ihre fremde Heimat Namibia reiste. Eindringlich beschreibt sie ihren Identitätskonflikt und ihre vergebliche Suche nach einer liebe- und verständnisvollen Mutter. „Am meisten schmerzt es, wenn man einsehen muss, dass die eigene Mutter nicht das Beste für einen gewesen wäre.“ (S. 228)
Die Begegnung mit  ihrer Großmutter in einem traditionellen Dorf im namibischen Owamboland eröffnete S.-L. Aukongo eine Welt, die sie bis dahin nicht kannte und auch nicht verstehen konnte. Durch ihre Großmutter lernt sie Kalunga, eine afrikanische Gottheit kennen: , … du bist Kalungas Kind. Du weißt es nur nicht. Aber du wirst es herausfinden!“ (S. 174)
Aukongo studierte von 2005 bis 2009 „Public Management“ an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege in Berlin. In dem Zusammenhang berichtet sie, wie sie auf dem Weg zur Fachhochschule im Bus mehrfach rassistischen und fremdenfeindlichen Übergriffen ausgesetzt war. Seitdem benutzt sie nie wieder öffentliche Verkehrsmittel. „… ich frage mich schon, was eigentlich schief gelaufen ist seit der ,Wende’ : Die DDR hatte mich vor meiner Geburt nach Deutschland geholt. Solidarität war so ein wichtiger Begriff gewesen. Warum kennen ihn die Menschen nicht mehr?“ (S. 191)
Mit Zeittafel : Der lange Weg zu Namibias Unabhängigkeit, weiterführende Literatur.

Gisela Jonas