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Bicker, Björn:
illegal : wir sind viele - wir sind da
/ Björn Bicker. - München : Verl. Antje Kunstmann, 2009. - 124 S.
ISBN 978-3-88897-5547

„wir arbeiten. wir sind ordentlich. wir sind fleißig. wir haben einen Traum.
… was wir euch nicht erzählen: wo wir herkommen. wie wir heißen. wo wir verschwinden. aus. aus. aus.“ (S. 7 f)
Mit einem großen Monolog wie diesem beginnen die lyrisch strukturierten Portraits des Autors von den „neuen Menschen“, Flüchtlingen aus aller Welt, die illegal ohne Papiere in Deutschland leben.
Björn Biker (geb. 1972), Schriftsteller und Dramaturg, gibt ihnen eine Stimme. Er erzählt lakonisch zugleich poetisch ihre Schicksale. Einer kommt aus der Ukraine, hat studiert und spricht vier Sprachen. „ich bin hier weil es zu hause nichts zu holen gibt.“ (S. 12)
Ein anderer kommt aus Kurdistan, ist dort gefoltert worden. Er hat einen Traum von Deutschland und stellt in Hannover einen Antrag auf Asyl. Der Behörde soll er eine Quittung über die erlittene Folter beibringen. In München trägt er sich als verbotener Student ein und pendelt möglichst unsichtbar zwischen Hannover und München. Da er die Residenzpflicht verletzt, muß er jederzeit die sofortige Abschiebung befürchten. Eine Frau kommt aus Ecuador. In München arbeitet sie zwölf Stunden am Tag. Sie ist als Putzfrau tätig und hütet die Kinder deutscher Frauen. Von ihrem Geld, das sie schwer verdient, lebt die ganze Familie in Ecuador.
Die Schicksale dieser drei Flüchtlinge stehen für Tausende anderer in Deutschland. Sie rufen nicht die Polizei, wenn sie geschlagen und vergewaltigt werden; Sie wehren sich nicht, wenn sie für ihre Schwarzarbeit kein Geld bekommen; Sie gehen nicht zum Arzt, wenn sie krank sind. Sollten sie entdeckt werden, droht ihnen die sofortige Abschiebung.
In Bikers Text, einer Mischung aus lyrisch-theatralischen und dokumentarischen Passagen, beziehen sie Stellung:
„wir glauben nicht an eure alten gesetze. wir sind neue menschen. wir glauben nicht an eure grenzen. die gelten nicht für uns. euer stacheldraht. eure infrarotkameras. eure stromstöße sind altmodisch. wir kennen keinen schmerz. wir gründen keine staaten. staaten interessieren uns nicht. wenn wir erwischt werden. wenn wir gehen müssen. kommen wir wieder.“ (S. 103 f.)
In einem „Epilog“ gibt der Autor das Gespräch zwischen der Angestellten einer Ausländerbehörde und einer Sozialarbeiterin wieder. Beide äußern sie ihre gegensätzlichen Einstellungen zu den Illegalen. Die Frau von der Beratungsstelle: „die kommen hierher, weil sie es zu hause nicht mehr aushalten. die kommen hierher, weil wir zu viel haben von allem. und sie zu wenig.“ (S. 115)

Gisela Jonas