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Flüchtlingskinder in Deutschland : Kindeswohl oder Ausgrenzung?; nach der Rücknahme der Vorbehalte / Hrsg. Heiko Kauffmann; Albert Riedelsheimer. Mit einem Vorw. Von Herta Däubler-Gmelin. – Orig.-Ausg., 1. Aufl. – Karlsruhe : von Loeper Literaturverl., 2010. – 279 S.
ISBN 978-3-86059-432-2

Im Jahr 1992 wurde die UN-Kinderrechtskonvention in Deutschland ratifiziert. Doch das ehrgeizige Unterfangen der Umsetzung wurde von Beginn an durch weitreichende Vorbehalte eingeschränkt. Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl erklärte, dass die Bundesrepublik weiterhin das Recht habe, Unterschiede zwischen „Inländern“ und „Ausländern“ zu machen, auch in Bezug auf die Behandlung von Kindern.
Nahezu 20 Jahre dauerte es, bis es aufgrund des Drucks von Organisationen und Initiativen aus der Zivilgesellschaft, aber auch des UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes und anderer internationaler Gremien gelang, die Bundesregierung im Frühjahr 2010 zur Rücknahme der Vorbehalte zu bewegen.
Der vorliegende Sammelband beschäftigt sich vorrangig mit der Frage, welche Schritte nun folgen müssen, um die Rücknahme der Vorbehalte in der Praxis zur Verbesserung der Situation von Flüchtlingskindern  und –jugendlichen umzusetzen. Die Autorinnen und Autoren beleuchten auf äußerst informative Weise die politischen, rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen und reflektieren nationale und internationale Entwicklungen der Flüchtlingspolitik, immer mit besonderem Blick auf Kinder und Jugendliche. Sie sind in der Kinderrechts-, Menschenrechts- oder Flüchtlingsschutzarbeit seit Jahren engagiert und erfahren. In ihren Beiträgen gehen sie auf die unternommenen Anstrengungen zur Verbesserung der Lage ein, beschreiben Erfolge und skizzieren noch zu überwindende Barrieren, beispielsweise in der Kinder- und Jugendhilfe, in der Sozialgesetzgebung oder im Hinblick auf das Aufenthaltsgesetz und das Asylverfahrensgesetz. Konkret kritisieren sie die vorgezogene Verfahrensmündigkeit von jungen Flüchtlingen ab einem Alter von 16 Jahren, die Durchführung willkürlicher Altersschätzung sowie die Praxis der Abschiebungshaft von Minderjährigen.
Einer der beiden Herausgeber des Buches, Heiko Kauffmann, Vorstandsmitglied von PRO ASYL e.V., betont in seinem Beitrag die Bedeutung eines kind- und jugendgerechten Asylverfahrens und des Zugangs zu Schule und Ausbildung sowie zur gesundheitlichen Versorgung. Er hebt hervor, dass die Einhaltung dieser kinder- und menschenrechtlichen Standards bei weitem nicht in allen Bundesländern gewährleistet ist.
So leistet das Buch einen wichtigen Beitrag, um über die nach wie vor bestehenden institutionellen Diskriminierungen gegenüber minderjährigen Flüchtlingen aufzuklären und Wege zu möglichen Veränderungen aufzuzeigen.
Bedauerlich ist, dass die Kinder und Jugendlichen selbst wenig zu Wort kommen. Obwohl einzelne „Fälle“ als Beispiele angeführt werden, gibt es kaum Zitate oder Stellungnahmen. Selbstorganisationen wie „Jugendliche ohne Grenzen“, die sich ebenfalls in vielfältiger Weise für die Verbesserung der Situation von jungen Flüchtlingen einsetzen, wurden nicht einbezogen.
Trotzdem ist das Buch sehr lesenswert und für all jene zu empfehlen, die sich für den Flüchtlingsschutz von Kindern und Jugendlichen in Deutschland interessieren und engagieren.

Im Anhang: UN-Kinderrechtskonvention, die Allgemeine Bemerkung Nr. 6 des UN-Ausschusses für die Rechte des Kindes „Behandlung unbegleiteter und von ihren Eltern getrennter Kinder außerhalb ihres Herkunftslandes“ sowie das Positionspapier: „Flüchtlingskinder in Deutschland“ von zwölf in der Kinder-, Flüchtlings- und Menschrechtsarbeit tätigen Verbänden und  NGOs.
Ausführliche Zusatzinformationen zu der Thematik stellt der Verlag auf seiner Internet-Seite zur Verfügung: http://www.vonloeper.de/fluechtlingskinder/

Yvonne Hylla