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Brinkbäumer, Klaus:
Der Traum vom Leben : eine afrikanische Odyssee
/ Klaus Brinkbäumer. Fotos: Markus Matzel. – Frankfurt am Main : S. Fischer, 2006. - 286 S.
ISBN 3-10-005103-3

Agadez, alte Handelsstadt in Niger, früher Ziel der Salzkarawanen, heute Zwischenziel der Migranten aus allen Staaten Westafrikas. Tausende Flüchtlinge kommen nach Agadez, um von hier aus Richtung Norden, zusammengepfercht auf Lastwagen, durch die Sahara nach Tamanrasset (Algerien), Metropole der Schleuser, zu fahren. Alle wollen Sie nach Europa.
Auch der Ghanaer John Ampans nahm diesen Fluchtweg. Für seine Flucht nach Europa brauchte er fünf Jahre. Erstmals nach 14 Jahren kehrt er als Begleiter mit dem Journalisten Klaus Brinkbäumer und den Fotografen Markus Matzel nach Afrika zurück. Gemeinsam mit ihm bereisen die Journalisten noch einmal die Stationen seiner ursprünglichen Fluchtroute, auf der auch heute noch die meisten Flüchtlinge unterwegs sind. Der Autor rekonstruiert John Ampans afrikanische Odyssee und ergründet die Motive afrikanischer Flüchtlinge. Brinkbäumer berichtet von den unvorstellbaren Strapazen, denen sie ausgesetzt sind. Obwohl sie oft zu hunderten in ihre Heimatländer abgeschoben werden, versuchen es die Flüchtlinge dennoch immer wieder, nach Europa, „Paradies der Freiheit, der Sicherheit, der Gesundheit und des Reichtums“, (S. 93) zu gelangen.
Zugleich ist diese Reisereportage ein politischer Exkurs über afrikanische Zustände. Brinkbäumer analysiert die unterschiedlichen Entwicklungen und politischen Systeme verschiedener afrikanischer Staaten. In vielen Gesprächen mit Betroffenen und Verantwortlichen hinterfragt er den Nutzen von Entwicklungshilfe. John Ampans dazu in Afrikanisch für Anfänger S. 164: „ Afrikanische Projekte werden immer mit viel Elan und viel Geld begonnen und niemals vollendet. Weil die Menschen verschwinden, die das Projekt gestartet haben. Weil das Geld ausgeht. Weil sich niemand um Wartung oder Reinigung kümmern will. Weil alles, was nach Geld aussieht, sofort geplündert wird. Unser Kontinent ist voll von Ruinen, die vor gar nicht langer Zeit ein Zeichen des Aufbruchs waren.“
Abschließend setzt sich der Autor mit dem Ausländer- und Asylrecht der EU-Staaten auseinander und benennt die Folgen des Vertrages von Schengen für die Flüchtlinge aus Afrika: „Kann Europa einen zerfallenden Kontinent in unmittelbarer Nähe wirklich weiter zerfallen lassen? … Kann man die vielen Afrikaner, die auf dem Weg nach Norden sind, wirklich aussperren? Ertrinken lassen? Kriminalisieren? Ignorieren?“ (S. 257)
Literaturverzeichnis, Register.

Gisela Jonas