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Schwelien, Michael:
Das Boot ist voll : Europa zwischen Nächstenliebe und Selbstschutz
/ von Michael Schwelien. - 1. Aufl. - Hamburg : marebuchverl., 2004. - 209 S.
ISBN 3-936384-47-9

Die Boote sind voll - in beeindruckender Weise schreibt Michael Schwelien über Aspekte der Einwanderung von Menschen nach Europa.
Statistische Aussagen und die zusammengetragenen Informationen über den Beitritt europäischer Staaten zum Schengen-Verbund, asylrechtliche Hintergründe, Menschenhandel und Schlepperbanden, wirtschaftliche Interessen, Ausbeutung, Prostitution, in Deutschland verhandelte Gerichtsfälle, Hilfsorganisationen und nicht zuletzt berührende Einzelschicksale beleuchten phänomenologisch eine weltweit oft grausame Wirklichkeit.
Das über die gut lesbare Zustandsbeschreibung hinausgehende Versprechen des Autors, "einen Weg aus dem Dilemma, einen dritten Weg zwischen Ausbeutung und Abweisung" (S. 16) zu zeigen, gelangt - wen wundert es? - zum Ende des Buches nicht zur Einlösung.
"Die Ausländer kommen. Sie werden gebraucht. Aber sie kommen illegal. Und so kommen auch viele, die wir nicht wollen. Wir vergeben uns die Möglichkeit, die Einwanderung nach unseren Bedürfnissen zu steuern. Und die Illegalen zahlen weder Steuern (außer der Mehrwertssteuer) noch Sozialabgaben." (S. 208). Also letztlich doch wieder Splitten in nützliche, integrationswillige usw. und in nicht nützliche Ausländer, denen wir nach unseren Bedürfnissen die vom Autor empfohlene Einbürgerung (in Quoten; dem Rückgang der Bevölkerung und dem Arbeitsmarkt angeglichen) gewähren oder deren Einreise wir verbieten und verhindern! Wer in diesem Zusammenhang sind "wir", deren Interessen zur Regulierung einer globalen Entwicklung als Maßstab genommen werden? Haben nicht "unsere Interessen" (z. B. durch Rüstungsexporte) anteilig Verelendung und Kriege in der Welt ausgelöst? 
Der Zusatztitel zum Buch "Europa zwischen Nächstenliebe und Selbstschutz" wirkt irreführend, wenn Flüchtlinge aus Jugoslawien als Bedrohung für Europa angesehen werden, wenn Fristenregelungen im Zuwanderungsgesetz der Bundesrepublik Deutschland die Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung für Menschen aus den neuen EU-Ländern beschränken.
Sollte tatsächlich die angestrebte Erhaltung der "Leistungsfähigkeit der Bundesrepublik" die von Michael Schwelien so präzise beschriebene Tendenz des globalen Armutsgefälles umkehren können?
Wer an weiteren gut recherchierten Arbeiten und Themen des Journalisten und Autors interessiert ist, der kann die derzeit 32 archivierten Artikel von Michael Schwelien in unserer Mediathek nachlesen.

Thomas Kunzke