Erreichbarkeit

Zur Zeit haben wir kein Büro. Sie erreichen uns per E-mail, bitte geben sie dabei eine Rückmeldemöglichkeit an: Kontakt

Sie möchten unser Engagement unterstützen?

Holz, Steffi:
Alltägliche Ungewissheit : Erfahrungen von Frauen in Abschiebehaft
/ Steffi Holz. Mit Fotos von Leona Goldstein. – 1. Aufl. – Münster : Unrast-Verl., 2007. – 166 S. : 16 Farbfotos
ISBN 978-3-89771-468-7

Abschiebehaft sei ein ganz „normales Leben […] nur ohne Freiheit“ (S. 8) beschrieb ein ehemaliger stellvertretender Leiter des Abschiebungsgewahrsams Berlin-Köpenick die Situation der dort Inhaftierten. In Abschiebehaft kann jede Ausländerin und jeder Ausländer kommen, die bzw. der keinen gültigen Aufenthaltsstatus hat. Die Inhaftierung wird als Verwaltungsmaßnahme charakterisiert, „denn Abschiebehaft ist keine Strafhaft, sondern dient der Ausländerbehörde als vorbereitende Maßnahme für die erzwungene Ausreise aus der Bundesrepublik“ (S. 7)
Die Realität und Totalität dieses geschlossenen Systems, die von den Inhaftierten als eine extreme und bedrohliche Situation empfunden werden (S.7) macht die Autorin in ihrem Buch „Alltägliche Ungewissheit“ sichtbar.
Die Sozialwissenschaftlerin Steffi Holz, engagiert in der Berliner „Initiative gegen Abschiebehaft“, recherchierte zwischen 2003 und 2007 im Abschiebungsgewahrsam Berlin-Köpenick. Sie besuchte wiederholt inhaftierte Frauen und führte Interviews mit Entlassenen.
Sie sprach mit Mitarbeitern der Haftanstalt sowie mit einer Angestellten der Ausländerbehörde.
Aus der Perspektive von vier Frauen aus Liberia, Sri Lanka und der Ukraine zeichnet die Autorin den Gefängnisaufenthalt von der Ankunft bis zur Entlassung nach. Die Erinnerungen, Beschreibungen und Wertungen der Frauen bilden den Hauptteil des Buches.
Sie erleben den Abschiebegewahrsam als Ort der vollständigen Kontrolle und Überwachung, betrachten ihn aber auch mit seinen gewohnten Strukturen, seinen Regeln und Routinen (S. 132) als geordneten Alltag. Die alltägliche Ungewissheit sowie die fehlenden Informationen der Ausländerbehörde werden von ihnen als außerordentlich bedrückend empfunden. In dem Abschnitt „Selbsthilfe der Frauen“ (S. 91 ff) beschreibt die Autorin, wie die Inhaftierten trotz der schwierigen Haftsituation Umgangsstrategien entwickeln und sich Erlebnisse organisieren. Sie reflektieren „das System Abschiebehaft, das ihnen zerstörerisch erscheint und stellen es in seiner Wirkungsweise in Frage“. (S. 11) Alle vier Frauen, deren Erfahrungen diesem Buch zu Grunde liegen, wurden nicht abgeschoben, sondern entlassen.
Einführend erläutert Steffi Holz die rechtlichen Rahmenbedingungen der Abschiebehaft in Deutschland und beschreibt den Ort des Abschiebungsgewahrsam Berlin-Köpenick. Sie gibt ferner einen zahlenmäßigen Überblick von Haft, Entlassungen und Abschiebungen der letzten Jahre. „Die Zahl der Abschiebungen aus der Bundesrepublik ist aufgrund abnehmender Inhaftierungen seit Jahren rückläufig.“ (S. 18)
Im Anhang: ein Auszug aus dem „Gesetz über die Einreise und den Aufenthalt von Ausländern im Bundesgebiet“; Gesetze und Verordnungen über den Abschiebungsgewahrsam im Land Berlin. Mit Literaturverzeichnis.

Gisela Jonas