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Zuwanderungsland Deutschland : Migrationen 1500 - 2005 / für das Deutsche Historische Museum hrsg. von Rosmarie Beier-de Haan. - Berlin : Deutsches Historisches Museum ; Wolfratshausen : Ed. Minerva, 2005. - 383 S. : Ill.
ISBN 3-86102-136-6 (Museumsausg.) ISBN 3-938832-02-9 (Buchhandelsausg.)

Mit Blick auf das am 1. Januar 2005 in Kraft getretene "Gesetz zur Steuerung und Begrenzung der Zuwanderung und zur Regelung des Aufenthalts und der Integration von Unionsbürgern und Ausländern (Zuwanderungsgesetz)" präsentierte das Deutsche Historische Museum vom 22. Oktober 2005 bis 12. Februar 2006 unter dem thematisch verbindenden Titel "Zuwanderungsland Deutschland" die beiden Ausstellungen "Migrationen 1500 - 2005" und "Die Hugenotten". Dazu erschienen gleichnamige Begleitbände.
Rosmarie Beier-de Haan, Kuratorin der erstgenannten Ausstellung und Herausgeberin des vorliegenden Katalogs, reflektiert in ihrem erklärenden Einführungsbeitrag die von einem weiten Migrationsbegriff ausgehende Zielsetzung des Ausstellungsprojekts. Es sollte historisch nachgewiesen und anschaulich gemacht werden, dass Zuwanderung nach Deutschland kein Phänomen etwa nur des 19. bzw. des 20. Jahrhunderts darstellt, sondern auf eine annähernd 500-jährige Geschichte zurückblicken kann. "Die Darstellung beleuchtet schlaglichtartig ... temporäre Arbeitsmigration und Wanderhandel ebenso wie dauerhafte Einwanderung, Flucht aus religiösen und politischen Motiven wie auch die Zwangsmigrationen des 20. Jahrhunderts." (S. 10)
Dass Migration demzufolge "eine zentrale Dimension deutscher Geschichte ist" (S. 12), vermittelt der rundum überzeugende Katalog sowohl mit seinen profunden Fachaufsätzen als auch mit seinem umfangreichen Bildteil. Im Rahmen der sich thematisch aufeinander beziehenden Aufsätze, wissenschaftliche Ergänzung der Ausstellung "Migrationen 1500 - 2005", nimmt die allumfassende Analyse von Klaus J. Bade und Jochen Oltmer unter dem Titel "Migration und Integration in Deutschland seit der Frühen Neuzeit" (S. 20-49) eine Schlüsselstellung ein. Dieser geschichtliche Exkurs berührt dabei auch Fragen der empirischen und historischen Migrationsforschung in Deutschland. Großes Interesse aller an der Migrations- und Integrationsarbeit Beteiligten dürften ebenfalls Dieter Gosewinkels Beitrag "Wer ist Deutscher? Deutsche Staatsangehörigkeit im 19. und 20. Jahrhundert" (S. 90 - 105) sowie der aktuelle Bericht von Steffen Angenendt über "Migrations- und integrationspolitische Entwicklungen, Herausforderungen und Strategien in ausgewählten EU-Staaten" (S. 134 - 147) auslösen.
Ein Fest für's Auge ist der neben den Fachaufsätzen zweifellos dominierende Katalogteil mit der bildlichen Wiedergabe von 60 bedeutenden Ausstellungsexponaten. Jedes dieser Ausstellungsstücke wird im historischen Kontext kommentiert.
Es folgen Selbstzeugnisse - 30 autobiographische Texte in Auszügen - von dauerhaft oder zeitweilig Zugewanderten; ferner ein Gesamtverzeichnis aller Ausstellungsobjekte, Literaturhinweise sowie weitere Informationen zu Ausstellung und Katalog.
In diesem opulent ausgestatteten Foto-Text-Band kann der Leser und Betrachter ungestört Migrationsprozesse in ihren politischen, wirtschaftlichen, rechtlichen, religiösen und kulturellen Zusammenhängen (S. 10) nachvollziehen.

Marianne Jonzeck