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Migranten in Deutschland : Statistiken – Fakten – Diskurse / Hrsg. Helena Flam; Forschungsteam: Björn Carius; Beate Dietrich; Ulrike Froböse; Jochen Kleres u. Axel Philipps. – Konstanz : UVK Verl.-Ges., 2007. – 321 S. : Tab.
ISBN 978-3-89669-672-4

Leipziger Forscher unter Leitung von Helena Flam, Professorin für Soziologie, unterziehen Ergebnisse der bisherigen deutschen Migrationsforschung einer kritischen Analyse.
Der Perspektive der Mainstream-Soziologie zu Migranten und Schule sowie zu Migranten und Arbeitsmarkt stellen sie ihre eigenen Forschungsergebnisse im Rahmen des international vergleichenden EU-Projektes XENOPHOB gegenüber.
Die Autoren führen das bisher verstreut vorliegende empirische Material zusammen, ergänzen es durch Experteninterviews und bewerten es neu. Die Interviews wurden in Augsburg, Berlin und Leipzig mit Lehrkräften sowie Mitarbeitern aus Arbeitsämtern und Betrieben geführt.
Dabei wurde deutlich, dass man in den Bereichen Schule, Ämter und Betrieb „von der prinzipiellen Überlegenheit der Deutschen, ihrer Sprache und Kultur bzw. Qualifikationen und Arbeitserfahrung ausgeht, jedoch die Kategorie ,Ausländer’ je unterschiedlich“ (S. 205) auslegt.
Entgegen gängigen sozialwissenschaftlichen Theorien, die die Migrantenkinder und ihre Eltern als defizitär definieren (S. 8) und „die ,ethnische Ungleichheit’ auf dem Arbeitsmarkt durch die unterschiedliche Ausstattung mit Humankapital“ (S. 118) erklären, sehen die Leipziger Wissenschaftler die Ursachen für die Diskriminierung der Migranten bereits in den vorgegebenen gesetzlichen Regelungen und institutionellen Rahmenbedingen. Diese bestimmen letztendlich für die Migranten den Übergang in die weiterführenden Schulen und den Zugang zum Arbeitsmarkt.
Warum die Zugewanderten und ihre Nachkommen in Deutschland noch immer „in (alltags-) rassistisch diskriminierender … Weise“ (S.205) behandelt werden, versuchen die Autoren abschließend in ergänzenden Erklärungsansätzen zu begründen. Dabei richten sie ihren Blick auf die deutsche Geschichte und ihre Debatten um Nation, Staat und Staatsbürgerschaft sowie Einwanderung. 
Einstellungen der deutschen Bevölkerung zu „Ausländern“ untersuchen die Wissenschaftler anhand von ALLBUS-Daten (Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften).
Erstmals werden die migrationspolitischen Grundsätze in den Programmen der Volksparteien SPD und CDU/CSU sowie der rechtsextremen NPD für den Zeitraum zwischen 1965 und 2005 (S. 32) analysiert.
Diese wissenschaftlich detaillierte Untersuchung vermittelt neue Impulse für migrationspolitisches Handeln.
Mit Tabelle: Sieben Phasen der Einwanderung in die BRD, umfangreiches Literaturverzeichnis und Sachregister.

Gisela Jonas