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Alt, Jörg:
Globalisierung, illegale Migration, Armutsbekämpfung : Analyse eines komplexen Phänomens
/ Jörg Alt. – Orig.-Ausg., 1. Aufl. – Karlsruhe : Loeper Literaturverl., 2009. - 370 S. : Abb., Tab.
ISBN 978-3-86059-524-4

Der Sozialwissenschaftler und Jesuit Jörg Alt wurde in der Vergangenheit bereits als Koordinator der Kampagne gegen Landminen und durch sein Engagement für „illegale“ Flüchtlinge bekannt. Zwischen 2005 und 2008 hielt er sich in seiner Priesterfunktion für längere Zeit in dem zentralamerikanischen Staat Belize und den USA auf. In Belize, wo er eine Pfarrei betreute, wurde er schnell mit den akuten Problemen illegaler Migration konfrontiert. Die Mehrheit der männlichen Bevölkerung seiner Gemeinde lebte und arbeitete illegal in den USA, um so die daheim gebliebenen Familien zu unterstützen. Schließlich dehnte Alt seine Tätigkeit bis nach Los Angeles aus und begann zugleich mit der Arbeit für die vorliegende Studie (siehe auch Artikel „Krumme Wege und gerade Schritte“ im Tagesspiegel vom 26.03.2010). Anknüpfend an seine bisherigen Forschungen ging der Autor der Frage nach, warum immer mehr Menschen in den Ländern der südlichen Hemisphäre ihre Heimat verlassen und sich auf den Weg in eine ungewisse Zukunft in den USA oder der EU machen.

Die Studie gliedert sich in sieben Hauptkapitel. Nach einer informativen Einleitung mit Erläuterungen zu Methodik und Intention der Untersuchung, werden im 2. Kapitel die Begriffe Globalisierung und illegale Migration definiert. Besondere Aufmerksamkeit erfährt dabei der Anstieg des Anteils „illegaler“ Migranten in den USA.
Das folgende Kapitel „Globalisierung und illegale Migration“ erörtert zunächst die Voraussetzungen für das Phänomen der illegalen Migration im Zeitalter der Globalisierung. Der Ausbau der Infrastruktur in den Herkunftsstaaten (hier am Beispiel Belize der Straßenbau) spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle wie Bildung oder die durch moderne Medien bewirkte kulturelle Globalisierung. Im Anschluss wird  auf die ansteigende Bedeutung der informellen Ökonomie (der sogenannten Schattenwirtschaft) und die anwachsenden Gegensätze zwischen Arm und Reich in der globalisierten Weltwirtschaft eingegangen. Die allgemein bekannten Folgen reichen dabei von Schuldknechtschaft und Zwangsarbeit bis hin zum organisierten Menschenhandel. Neben ansteigender Armut sind Kriege und ökologische Katastrophen (oft einhergehend mit Hungersnöten) ein weiterer Hauptgrund für die Flucht in Staaten der ersten Welt. Deren Versuche, die unerwünschte Zuwanderung zu kontrollieren bzw. zu unterbinden, sind meist von wenig Erfolg gekrönt. So lässt sich hier am Beispiel der USA exemplarisch nachvollziehen, wie eine Politik der Abschottung und Behinderung legaler Migrationsbewegungen letztendlich das Gegenteil des gewünschten Effekts und eine fortschreitende Illegalisierung/Kriminalisierung von Zuwanderern verursacht. Das Kapitel schließt mit einer Analyse der aktuellen Wirtschaftskrise. Dabei folgert der Autor, dass die illegale Migration zwar zunächst etwas zurückgehen, letztendlich aber durch das noch weiter ansteigende Wohlstandsgefälle in absehbarer Zeit erneut zunehmen dürfte.
Kapitel 4 „Illegale Migration und Armut“ beleuchtet die Zusammenhänge zwischen illegalen Migrationsbewegungen und Armut. Dabei wird gleichermaßen die Situation in den Herkunfts- und Zielländern analysiert und belegt, dass die Mehrzahl der Migrierenden in ihrer Heimat keinesfalls zu den Ärmsten zählt, in ihrem Dasein als „Illegale“ jedoch zwangsläufig einen sozialen Abstieg erfährt. Der Großteil des in den Zielländern verdienten Geldes wird mit Remissen an die zurückgebliebenen Familien transferiert, wodurch seitens der Migranten wiederum ein (Eigen)Beitrag zur Armutsreduktion geleistet wird.
Das folgende Kapitel „Vorschläge für eine bessere politische Gestaltung“ widmet sich sinnvollen Lösungskonzepten zur Problematik der illegalen Migration. So wird am Beispiel Deutschlands die Verwehrung grundlegender Menschenrechte wie z. B. Krankenversicherung und Schulbesuch diskutiert und eine bilaterale Sicherung von Rechten und Standards gefordert. Hohe Priorität erfahren  auch die Bekämpfung organisierter Schleuserbanden und Menschenhändler sowie der Schutz der von ihnen ausgebeuteten „Illegalen“. Es folgen Vorschläge zur Reduzierung illegaler Migration, wie sie sich beispielsweise durch eine Liberalisierung des Asylrechts, aber auch durch großzügigere Familiennachzugsregelungen bewirken lässt, verbunden sind damit Forderungen nach einer effektiven Form der Armutsbekämpfung. Nach zusammenfassenden Schlussfolgerungen in Kapitel 6 schließt der Autor mit der persönlichen Empfehlung an seine Leser, sich selbst dem Thema zu stellen: Zuerst durch die persönliche Begegnung mit „Illegalen“ im eigenen Land, dann als Lernender in ihren Herkunftsländern.
Der Band enthält zahlreiche Tabellen und Schaubilder sowie im Anhang eine  Übersicht über die wichtigsten Migrationstheorien und diverse Verzeichnisse. Ergänzende Materialien zur Studie stellt der Autor auf seiner Website www.joergalt.de zur Verfügung.

 

Thomas Wagner