Erreichbarkeit

Zur Zeit haben wir kein Büro. Sie erreichen uns per E-mail, bitte geben sie dabei eine Rückmeldemöglichkeit an: Kontakt

Sie möchten unser Engagement unterstützen?

Winter, Bernd: 
Gefährlich fremd : Deutschland und seine Einwanderung
/ von Bernd Winter. - Freiburg i. Br. : Lambertus, 2004. - 162 S.
ISBN 3-7841-1543-8

Ausgehend von der Tatsache, dass die unterschiedlich auftretenden Rassismen immer mit den jeweiligen Gesellschaften auf spezifische Weise verknüpft waren und sind, arbeitet der Autor heraus, wie in der Bundesrepublik Deutschland "Rassismus und Migration aufeinander bezogen sind und in welchem historisch-gesellschaftlichen Kontext sich rassistische Diskriminierung und Gewalt entfalten und (re)produzieren" (S. 16).
Einführend werden die Begriffe Rassismus, Ausländerfeindlichkeit, Fremdenfeindlichkeit und Xenophobie auf Gehalt und Unterscheidung befragt. Die wissenschaftliche Debatte nach 1945 um den Rassismusbegriff wird ausführlich analysiert. Im Mittelpunkt jedoch steht die Migrationsgeschichte in Deutschland seit den 50er Jahren. Es wird untersucht, "unter welchen Prämissen die deutsche "Ausländerpolitik" stand bzw. (heute) steht und wie sich die innenpolitische Debatte seit Ende der 70er Jahre gegen MigrantInnen verschärft" (S. 18). 
Als Höhepunkt des deutschen "Anti-Immigrationsrassismus" bezeichnet der Autor die Übergriffe auf Flüchtlinge und MigrantInnen 1992 in Rostock-Lichtenhagen: "Der Name Rostock wurde in diesem Zusammenhang zu einem erschreckenden und warnenden Synonym für Rassismus in Deutschland, dem ein mörderischer Mix aus politischem Kalkül, weit verbreiteten rassistischen Einstellungen in der Bevölkerung, hetzerischer Medienberichterstattung sowie struktureller Diskriminierung von Minderheiten zugrunde liegt" (S. 71). Des weiteren thematisiert der Autor die soziale, politische und kulturelle Diskriminierung und Segregation der MigrantInnen, insbesondere ihre Stellung auf dem Arbeitsmarkt und im Bildungssystem. Das Meinungsklima der Deutschen ihnen gegenüber spielt eine hervorgehobene Rolle. In diesem Zusammenhang wird das Verhältnis von Ethnizität und Nation betrachtet: "Die Selbstethnisierung vieler Deutscher als kulturell homogene Nation" (S. 93) etablierte die Grenzziehung zwischen "Fremden" und "Zugehörigen" und wird von Winter anhand der Debatte um die "deutsche Leitkultur" und um den "Multikulturalismus" eingehend diskutiert. Anschließend zeigt er auf, wie die Ausgrenzung der MigrantInnen mittels ethnischer Stigmatisierung durch die Mehrheitskultur häufig deren Selbstethnisierung und räumliche Segregation zur Folge hat. Resümee: "Um Rassismus zu bekämpfen, müsste vor allem die ethnische Schichtung und Segregation der deutschen Sozialstruktur durchbrochen werden" (S. 8). Umfangreiche Anmerkungen und Literaturverzeichnis.

Gisela Jonas