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Fredrickson, George M.: 
Rassismus : ein historischer Abriß
/ von George M. Fredrickson. Aus d. Amerikanischen übers. von Horst Brühmann ; Ilse Utz. - Hamburg : Hamburger Edition, 2004. - 194 S. 
ISBN 3-930908-98-0

Der amerikanische Historiker bietet einen Abriss der Entwicklung des Rassismus vom Mittelalter bis zur Gegenwart. "Von der Existenz einer rassistischen Einstellung oder Ideologie kann man" so die Definition des Autors, "sprechen, wenn Differenzen, die sonst als ethnokulturell betrachtet werden, für angeboren, unauslöschlich und unveränderbar erklärt werden". (S. 13) Nach dieser Definition behandelt Fredrickson zunächst vornehmlich am Beispiel Spaniens als erster europäischer Kolonialmacht, in der der Keim für westliche Einstellungen gegenüber der indigenen Bevölkerung Südamerikas gelegt wurde, den Übergang von der religiösen Intoleranz des Mittelalters zum sich herausbildenden Rassismus im Zeitalter der Entdeckungen und der Renaissance. Im Folgenden geht es um den Aufstieg moderner rassistischer Ideologien, insbesondere um die Ideologie von der Überlegenheit der weißen Rasse und um den Antisemitismus im 18. und 19. Jahrhundert. Die rassistisch-ideologischen Grundlagen von Sklaverei und Segregation in den USA vergleicht der Autor mit dem späteren im Völkermord gipfelnden Antisemitismus des nationalsozialistischen Deutschlands. Die Frage, ob der millionenfache, systematisch und industriemäßig organisierte und betriebene Mord an europäischen Juden überhaupt mit anderen rassistischen Auswüchsen, darunter selbst die brutalsten Formen der Rassendiskriminierung in den amerikanischen Südstaaten oder der Apartheid in Südafrika, vergleichbar ist, stellt sich dem Autor so nicht. Im Epilog widmet sich Fredrickson den spezifischen Ausdrucksformen von Rassismus im 21. Jahrhundert. Zwar seien nach der Niederlage des Nationalsozialismus, den Erfolgen der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und dem Ende des Apartheidregimes "offen rassistische Regimes" in Misskredit geraten, doch bezeugten Kastensysteme und andere Ausbeutungsformen von der Zählebigkeit des Konstrukts unzerstörbarer und unüberbrückbarer Unterschiede zwischen den Menschen. Im abschließenden Anhang (20 S.) "Der Begriff Rassismus im historischen Diskurs" untersucht der Autor wie sich die Forschung mit dem Phänomen des Rassismus als Thema der Geschichtswissenschaft beschäftigt hat. Ein Namen- und Sachregister beschließt den auf umfangreicher Literatur basierenden Band.

Wolfgang Voigt