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Waldbauer, Peter:
Lexikon der antisemitischen Klischees : antijüdische Vorurteile und ihre historische Entstehung
/ Peter Waldbauer. – 1. Aufl. – Murnau a. Staffelsee : Mankau Verl., 2007. – 193 S.
ISBN 978-3-938396-07-0

Brumlik, Micha:
Judentum : die wichtigsten Antworten
/ Micha Brumlik. – Orig.-Ausg.. – Freiburg im Breisgau [u.a.] : Herder, 2007. – 127 S. – (Herder spektrum; 5796 : Was stimmt?)
ISBN 978-3-451-05796-0

Klischees und Vorurteile über Juden, „im schlimmsten Fall verursacht durch Fremdenfeindlichkeit, im günstigsten Fall resultierend aus der Bequemlichkeit des unreflektierten Nachplapperns“ (Waldbauer, S. 9), sind weit verbreitet. Mittels Wort, Bild und Schrift werden sie transportiert und reproduziert.
Bildbeispiele solcher Art konnten in der vor kurzem zu Ende gegangenen Sonderausstellung des Jüdischen Museums unter dem Titel „typisch! Klischees von Juden und Anderen“ in Augenschein genommen werden.
Zwei Autoren haben sich ebenfalls dieser nicht immer bequemen Thematik in aufklärender Absicht angenommen: der einige Jahre u.a. als freier Börsenspekulant in Amerika tätige Peter Waldbauer (geb. 1966), Schüler und Wegbegleiter des 1999 verstorbenen Börsen-Altmeisters André Kostolany sowie der bekannte Publizist und Wissenschaftler Micha Brumlik (geb. 1947), langjähriger Direktor des Fritz Bauer Instituts in Frankfurt am Main. Beide untersuchen und erklären in jeweils spezifischer Weise die historischen, politischen, religiösen und kulturellen Gründe und Umstände, die zu diskriminierenden Vorurteilen geführt haben. 

In seinem „Lexikon der antisemitischen Klischees“ kleidet Peter Waldbauer gängige Vorurteile und Zuschreibungen vermeintlicher Eigenheiten von Juden in Fragen, dokumentiert und widerlegt sie zugleich. Jeder kennt Beispiele wie die folgenden: „Gehören den Juden alle Banken?“ – „Gibt es eine ,internationale jüdische Hochfinanz’?“ – „Sind Juden intelligenter als Nichtjuden?“ – „Haben die Juden Jesus gekreuzigt?“ – „Sind die Juden das auserwählte Volk?“ – „Ist Jiddisch eine Gaunersprache?“ – „Wird die Weltmacht USA von den Juden beherrscht?“ Nicht alle der hier lexikalisch aufbereiteten und zu Themenkomplexen zusammengefassten Fragen sind antisemitischen Ursprungs. Manche Antworten des Autors beziehen sich deshalb auf durchaus reale Sachverhalte, z.B.: „Warum tragen so viele Juden phantasievolle Namen?“ – „Ist der Talmud die ,jüdische Bibel’?“ – „Wie entstand das Hofjudentum?“ – „Sind Juden, die nicht in Israel geboren werden, israelische Staatsbürger?“ Wissensvermittlung steht im Vordergrund dieses insgesamt leicht zugänglichen Buches. Anhang: Verzeichnis aller Fragen; Literaturverzeichnis.

Behandelt Peter Waldbauer nur in einem Kapitel seines Buches landläufige Vorurteile christlicher Antisemiten (S. 35) wie die kolportierten Ritualmord-Lügen, geht es in Micha Brumliks kundiger Einführung in die geistigen Grundlagen des Judentums (s. oben) ausschließlich um die Auseinandersetzung mit Deutungen und Vorwürfen des christlichen Antijudaismus vor dem Hintergrund der „Unheilsgeschichte abendländischen Judenhasses.“ 
(S. 8)
Ausgangspunkt dieses zum einfachen Nachschlagen weniger geeigneten Buches: Das Judentum in seiner „Einheit von Religion, Volk, Kultur und auch Staatlichkeit“ (S. 40) sieht sich im theologischen und öffentlichen Diskurs nach wie vor mit Vorurteilen konfrontiert.
So gilt es u.a. als eine „Religion des Gesetzes“, „Religion der Rache“ und als „Religion der Anmaßung“. 
Brumlik verdeutlicht an religionsgeschichtlichen Entwicklungslinien, wie es zu den folgeschweren Pauschalurteilen und Missverständnissen im Verhältnis von Christentum und Judentum kommen konnte.
Beispiele religiöser Vorurteile bündelt er zu drei übersichtlich gegliederten Themenkomplexen: Grenzlinien einer Religion; Der Mensch und Gott; Religion und Gesellschaft. Religiöse Begriffe, Namen und Zitate (Halacha, Jom Kippur, Zeloten, Mischna, Nidda, Moses Maimonides ...) werden zum besseren Verständnis an den Texträndern kurz erklärt und grafisch hervorgehoben.
Anhang: Chronologie, Glossar, Verzeichnis ausgewählter Literatur.

M. Jonzeck