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Ritz, ManuEla:
Die Farbe meiner Haut : die Antirassismustrainerin erzählt
/ ManuEla Ritz. – Orig.-Ausg. - Freiburg im Breisgau u.a. : Herder, 2009. - 179 S.
ISBN: 978-3-451-29987-2

Rassismus ist allgegenwärtig. Heute. In Deutschland. Diesen Umstand verdeutlicht ManuEla Ritz in ihrem Buch „Die Farbe meiner Haut“. Die Sozialpädagogin erzählt in diesem Plädoyer gegen Rassismus von ihrem Leben als Deutsche mit einem weißen und einem schwarzen Elternteil. Anliegen der Autorin ist es, dass ihr „Erleben bundesdeutschen Lebens wahrgenommen und anerkannt wird“ (S. 84). Ihre  Darstellung ist dabei keine herkömmliche Biographie. Vielmehr erzählt sie  von der kollektiven deutschen Lebensrealität, indem sie von Momenten ihres Lebens berichtet, die auf verschiedene Weisen von Rassismus geprägt waren. Anhand der Schilderung ihrer Erfahrungen verdeutlicht M. Ritz, wie die gegenwärtige bundesrepublikanische Gesellschaft von sowohl indirektem als auch direktem Rassismus durchzogen ist. So blickt sie zurück auf rassistische Erfahrungen, die sie in ihrer Kindheit, ihrer Jugend und als Erwachsene erlebte und immer noch erlebt. M. Ritz widmet sich dabei vor allem dem stillschweigend zugelassenen “bundesdeutschen Alltagsrassismus“ (S. 72), der von der weißen Mehrheitsgesellschaft ausgeübt wird, unbewusst verinnerlicht oder bewusst beabsichtigt artikuliert. Dieser Rassismus, so der Separationsgedanke der Autorin, führt dazu, dass sich die Perspektiven auf die Welt von schwarzen und weißen Deutschen grundlegend unterscheiden (S. 104).
M. Ritz reflektiert darüber hinaus die Bedeutung, die das Erleben von Rassismus für ihr Heranwachsen und ihre Persönlichkeitsbildung hatte, „ich glaube fest daran, dass Rassismuserfahrungen ins kollektive Gedächtnis schwarzer Menschen eingeschrieben, nein eingebrannt sind“ (S. 103). Vor diesem Hintergrund erklärt die Autorin was die Begriffe ‚Heimat’ und ‚Isolation’ für sie bedeuten. Sie erzählt von Momenten der Gefühllosigkeit und Angst in einem von Rassismus geprägtem Leben - von ‚verbrauchten’ „antirassistischen Energiereserven“ (S. 83), aber auch von Momenten des Mutes, der Kraft und der Hoffnung. Ihre Gedanken sind dabei Überlegungen gewidmet, „wie schwarze Menschen in einer mehrheitlich weißen Gesellschaft ihre Identität ausformen können“ (S. 107) und münden in der Schilderung der Motivation der Autorin, Antirassismustrainerin zu werden. M. Ritz gibt in diesem Zusammenhang einen Einblick in Ansätze ihrer Arbeit, wie in die Konzepte des Blue-Eyed Workshops und des Empowerment Workshops, in denen TeilnehmerInnen Rassismuserfahrungen unmittelbar erleben und die sie dazu anleiten, eigenen Rassismus kritisch zu reflektieren bzw. Hilfestellung zu geben, um unangetastet aus Rassismuserfahrungen herauszukommen.
„Die Farbe meiner Haut“ ist kein theoretisches Modell über Rassismus und beabsichtigt auch explizit nicht, dieses zu sein. Vielmehr äußert sich die Autorin kritisch gegenüber solchen Ansätzen, die „nichts mit der Realität zu tun“ (S. 97) hätten. Überzeugend legt sie dar, dass „die wasserdichtesten theoretischen Herleitungen und Erklärungen nicht über rassistische Kränkungen und Verletzungen hinwegtrösten können“ (S. 107). Gleichwohl führt der Verzicht einer theoretischen Einbettung zu dem Umstand, dass das komplexe soziale Konstrukt Rasse verkürzt auf Hautfarbe projiziert wird, dass M. Ritz einer Schwarz-Weiß Dichotomie (an die der Gegensatz Rassisten/Opfer von Rassismus gekoppelt ist) verfällt. Der verwendete Rassismusbegriff bleibt bis zu einer Definition des Konzepts zum Ende des Buches lange unklar,  d. h. dass der Zusammenhang zwischen geschilderten Erfahrungen und deren Beschreibung als ‚rassistisch’ nicht immer eindeutig ist. Über diese Ungenauigkeiten kann jedoch leicht hinweg gesehen werden, denn M. Ritz macht auf viele mehr als eindeutige Momente gegenwärtigen Rassismus aufmerksam in einer Gesellschaft, die von sich bis heute behauptet, Rassismus 1945 abgeschafft zu haben und die sein Fortleben viel zu oft verschweigt.
Das Buch fordert weiße Deutsche auf, ihr diskriminierendes Handeln zu erkennen und kritisch zu hinterfragen. Außerdem wendet es sich auch an schwarze Deutsche mit Rassismuserfahrungen.