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Binationale Gesprächsreihe – Aspekte der Fremdenfeindlichkeit in Europa : die Dokumentation / ein Projekt von Gesicht Zeigen! Aktion weltoffenes Deutschland. – Berlin, 2005. – 182 S.

„Die Vielfalt ist eine Herausforderung für eine Gesellschaft, nicht die Einfalt. Gesicht Zeigen! will mit der Binationalen Gesprächsreihe deutlich machen, dass Antisemitismus und Rassismus kein allein deutsches Problem sind, sondern auch ein europäisches.“ (Michel Friedman, S. 44) Von Dezember 2003 bis Oktober 2004 fanden dazu fünf Podiumsdiskussionen in den Botschaften von Großbritannien, Frankreich, Österreich, Belgien und der Türkei in Deutschland statt. Sie befassten sich mit folgenden Themen: Umgang mit Rassismus, Präventionsmodelle, Rolle der Medien, gesellschaftliche Rolle der Migranten, Umgang mit Religionsgruppen. Der Schwerpunkt lag dabei auf dem Vergleich zwischen Deutschland und dem jeweiligen anderen EU-Land. 
Bei der Veranstaltung in der Britischen Botschaft ging es z.B. um „die Teilhabe von MigrantInnen in den Bereichen Politik, Kultur und Gesellschaft. … EinwanderInnen leben ganz selbstverständlich ihre eigene Kultur und Religion, … Gleichwohl sind sie Teil der Gesellschaft, dies zeigt sich vor allem in der Vergabe der britischen Staatsbürgerschaft.“ (S. 167) Hierin und auch bei der Umsetzung der Antidiskriminierungsrichtlinie der EU in nationales Recht liegt ein grundlegender Unterschied zu Deutschland vor.
Im Erfahrungsaustausch zwischen Deutschland und Frankreich standen die Fremdenfeindlichkeit als gesamtgesellschaftliches Phänomen sowie die Verantwortung von Politik und Medien im Mittelpunkt. Dabei zeigten sich Parallelen wie auch Unterschiede zwischen beiden Ländern. So wurde das so genannte „Kopftuchproblem“ anders als in Deutschland gelöst.
Hoch aktuell für die gegenwärtige Diskussion in Deutschland (s. erste Islamkonferenz) dürfte die Gesprächsrunde zum Umgang mit dem Islam in der Österreichischen Botschaft sein. Als einziges Land in Europa hat Österreich bereits seit 1912 den Islam als Religionsgemeinschaft anerkannt. Alleinige Vertretung aller Gruppierungen des Islam in Österreich ist die „Islamische Glaubensgemeinschaft“. Der muslimische Religionsunterricht ist seit 1982 an österreichischen Schulen selbstverständlich.
Bildung als Garant für gesellschaftliche und politische Partizipation der Migranten war das auch für Deutschland relevante Thema der Podiumsdiskussion in der Belgischen Botschaft.
Die Abschlussveranstaltung in der Türkischen Botschaft griff noch einmal alle Themen auf, die bereits in anderen Gesprächsrunden behandelt wurden: Einwanderung, Kultur und Religion der Migranten, Rechte und Pflichten sowohl der Migranten als auch der aufnehmenden Gesellschaft, gesellschaftliche Partizipation sowie der EU-Beitritt der Türkei.
Im Vorfeld dieser binationalen Gesprächsreihe recherchierte Gesicht Zeigen! aktuelle landesspezifische Informationen, die in der vorliegenden Dokumentation der jeweiligen Gesprächsrunde aufgenommen wurden. Interviews mit den Fachexperten der Podiumsdiskussionen vertiefen zusätzlich den jeweiligen Themenbereich. Sehr informativ auch der anschließende Ländervergleich im Hinblick auf: Migrationsgeschichte / Migration in Zahlen sowie Integration / Zuwanderung, Staatsbürgerschaftsrecht, Antisemitismus / Islamophobie und Kopftuchdebatte. Biographische Daten der Podiumsteilnehmer (wie zu Seyran Ates, Marieluise Beck, Tahar Ben Jelloun, Emine Demirbüken-Wegner, Renan Demirkan, Michel Friedman, Peter Heine, Bob Purkiss, Anas Schakfeh und Jozef de Witte) schließen den Band ab. Mit Bibliographie.

Gisela Jonas