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Jaap, Tanja:
„Alle Juden sind …“ :  50 Fragen zum Antisemitismus
/ Tanja Jaap; Hrsg. Anne Frank Haus Amsterdam. – Mühlheim a. d. Ruhr : Verl. an der Ruhr, 2008. – 184 S.  : zahlr. Abb.
Aus dem Niederländ. übers.
ISBN 978-3-8346-0408-8

Mit  Aufklärung und Information reagiert das vom Anne Frank Haus Amsterdam herausgegebene Buch „Alle Juden sind …“  auf weit verbreitete, stetig zunehmende antisemitische Einstellungen und Gewaltakte in Europa und im arabischen Raum.
In seinem Aufbau gleicht das reich bebilderte  und pädagogisch ausgerichtete Material dem „Lexikon der antisemitischen Klischees“ von Peter Waldbauer (s. Archiv Buchtipp).
Fünfzig Fragen einschließlich knapper und verständlicher Antworten in Form von Kurzkommentaren und zusätzlichen Erklärungen beschäftigen sich mit den Ursprüngen und Erscheinungsformen des Antisemitismus. So offen und direkt, wie antisemitische Vorurteile und Legenden in fast allen Bereichen unserer heutigen Gesellschaft zu Tage treten, sind auch die ausgewählten Fragen formuliert: „Sind Juden eine Rasse?“, „Gibt es die mächtige jüdische Lobby wirklich?“, „Beherrschen die Juden die Wall Street und Hollywood?“, „Sind alle Juden reich?“, "Ist Zionismus eine Form des Kolonialismus?“, „Macht Israel mit den Palästinensern dasselbe wie die Nationalsozialisten mit den Juden?“, „Ist Kritik an Israel antisemitisch?“.
Autorin und Herausgeber gehen auch schwierigen und brisanten, einfachen und emotionsgeladenen Fragestellungen nicht aus dem Weg, was u. a. der Themenkomplex über die Rolle und Politik Israels im Nahostkonflikt beweist.
Durch diese Art der Fragestellung und die damit verknüpfte konzentrierte Darstellung historischer, kulturgeschichtlicher, religiöser und aktuell politischer Fakten kann man schnell ins Gespräch kommen und Einsichten in das komplexe Problem des Phänomens Antisemitismus gewinnen.
Die „50 Fragen zum Antisemitismus“ werden sieben Themenkomplexen zugeordnet. Darunter sind Themen zu Juden und Judentum (S. 10-37), zur Geschichte des Antisemitismus (S. 40-72), zu Juden, Christen und Muslimen (S. 74-104), zur Beziehung von Holocaust und Schoah (S. 118-142) sowie zu Israel und dem Mittleren Osten (S. 144-168). Im letzten Fragenkomplex wird das selbst in der Antisemitismusforschung umstrittene Thema „neuer Antisemitismus“ (S. 172-175) erörtert. An dieser Stelle möchte man einen Passus aus der Rede von Wolfgang Benz  zur Eröffnung der Ausstellung „Antisemitismus? Antizionismus? Israelkritik?" am 1. August 2007 im Auswärtigen Amt Berlin zitieren: „Haben wir es mit einem Antisemitismus neuer Qualität zu tun? Nein, es ist immer der alte. Judenfeindschaft, transportiert durch Stereotype, Klischees, Feindbilder, Vorurteile wird aber immer wieder neu instrumentalisiert, wird immer wieder neuen politischen, sozialen, ökonomischen Zielen dienstbar gemacht und erscheint dann als neues Phänomen.“ (Die Mahnung, 2007, Nr. 10/11, S. 1-2)
Im Zusammenhang mit dem „neuen Antisemitismus“ rückt eine andere hoch aktuelle, ernst zu nehmende Frage in den Vordergrund: „Gibt es derzeit einen islamischen Antisemitismus?“ Die Antwort dürfte besonders jenen nicht genügen, die sich intensiv mit wachsenden antijüdischen Tendenzen unter den in Deutschland lebenden Muslimen auseinandersetzen müssen. Sehr viel weiterführender ist die von der Amadeo Antonio Stiftung 2008 herausgegebene Studie „Die Juden sind schuld“. Sie dokumentiert aus unterschiedlichen Perspektiven den latenten und offenen Antisemitismus unter Migranten muslimischer Herkunft. Multiplikatoren wie Lehrer, Sozialarbeiter und Mitarbeiter in entsprechenden Einrichtungen und Organisationen werden in jedem Fall die in der Broschüre enthaltenen „Erfahrungen aus der Praxis“ positiv aufnehmen.
Beide Publikationen – die eben erwähnte Studie der Amadeo Antonio Stiftung und das vom Verlag an der Ruhr gemeinsam mit dem Anne Frank Haus Amsterdam edierte Material – unterstützen die politische Bildungsarbeit über schulische Einrichtungen hinaus.
Glossar, Bildnachweis, verwendete Literatur, Literatur- & Linktipps.

M. Jonzeck