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März 2006
Anfang März 2006 gab die deutsche Ahmadiyya Muslim Gemeinde bekannt, daß sie beabsichtigt in Berlin-Pankow eine Moschee zu bauen.
Das Gebäude (es wäre die 121. Moschee in Berlin, allerdings die erste im Ostteil der Stadt) soll auf einem 4.700 m² großen Grundstück an der Prenzlauer Promenade, Ecke Tiniusstraße, im Stadtteil Heinersdorf errichtet werden. Die Moschee soll ein Minarett und Räume für Jugendliche erhalten, auch eine Halle für Vorträge und Veranstaltungen ist geplant.
Die Berliner Ahmadiyya-Gemeinde umfasst ca. 200 Mitglieder und nutzt für ihre Treffen und Gebete seit 1988 ein Haus in der Reinickendorfer Meteorstraße. Da dieses Gebäude jedoch direkt in der Einflugschneise des Flughafens liegt, darf dort kein Minarett gebaut werden.
... "Wir suchen die kulturelle Nähe zu anderen, das ist unsere Absicht", sagt Abdul Rehman von der Gemeinde in Berlin. ... Die Ahmadiyya Muslim Gemeinde gilt als friedliebend und tritt für ein friedliches Miteinander der Religionen ein. "Wir lehnen jegliche Gewaltakte ab", sagt Abdul Rehman. ...
(Berliner Zeitung, 06.03.2006)
09.03.2006:
Sitzung des Bauausschusses der Bezirksverordnetenversammlung Pankow. Auf der Tagesordnung stand der geplante Moscheebau, Vertreter der Ahmadiyya Gemeinde waren geladen, um das Projekt den Bürgern vorzustellen. Doch bei den rund 100 anwesenden Anwohnern stößt das Vorhaben auf wenig Verständnis. Es kommt zu Protesten, was nicht zuletzt auf die mangelnde Bürgerinformation der Bezirkspolitik zurückzuführen ist. Die Bezirksverordneten planen nun, zwischen den Heinersdorfer Bürgern und der Ahmadiyya Gemeinde zu vermitteln, eine Bürgerversammlung soll organisiert werden.
Kurz darauf nutzt die NPD die Verunsicherung der Anwohner und beginnt antimuslimische Flugblätter im Bezirk zu verteilen. Für den 01.04. plant die neonazistische Partei eine Demonstration gegen den Moscheebau.
15.03.2006:
"Mut gegen rechte Gewalt", die Internetplattform gegen Rechtsextremismus der Amadeo Antonio Stiftung, widmet sich in dem Artikel "Neonazis auf Kreuzzug in Berlin" den jüngsten Aktivitäten der NPD in Berlin-Pankow: Link
22.03.2006:
Die BVV Pankow lädt zu einer Bürgerversammlung zum geplanten Moscheebau ein. Die Versammlung soll von der ehemaligen Berliner Ausländerbeauftragten Barbara John moderiert werden und am 30.03.2006 in der Turnhalle der Grundschule am Wasserturm stattfinden. Neben Kommunalpolitikern werden auch wieder Vertreter der Ahmadiyya Gemeinde vor Ort sein, um über das geplante Projekt zu informieren.
30.03.2006:
Die von der BVV Pankow organisierte Bürgerversammlung in Heinersdorf endet in einem Fiasko: Rund 1.700 Anwohner treffen gegen 19.30 Uhr am Veranstaltungsort, einer für diese Größenordnung viel zu kleinen Turnhalle, ein. Mehr als die Hälfte der Besucher findet keinen Platz und bleibt ausgesperrt, schließlich versuchen aufgebrachte Bürger die Türen der völlig überfüllten Halle zu stürmen. Unter den Besuchern befinden sich auch einige Rechtsradikale, die die Stimmung zusätzlich anheizen; es kommt zu Pöbeleien und rassistischen Anfeindungen. Kurz vor 20.00 Uhr ruft die Polizei die Gäste dazu auf, den Saal zu räumen, da die Sicherheit wegen der Überfüllung und Unruhe nicht mehr garantiert werden könne. Die anwesenden Vertreter der Ahmadiyya-Gemeinde und dem Moscheebau positiv gegenüberstehende Bezirkspolitiker müssen die Turnhalle unter Polizeischutz verlassen.
... 350 Stühle standen in der Turnhalle der Heinersdorfer Schule. 20 Minuten vor Beginn der Bürgerversammlung war jeder Platz besetzt, 15 Minuten vorher gab es keine Stehplätze mehr, und zu Veranstaltungsbeginn standen draußen noch immer etwa 1.000 Menschen, die auch rein wollten, Rentner, Schüler, aber auch ein paar Glatzköpfe, dazu ein Dutzend Mannschaftswagen der Polizei und etliche Beamte in Zivil. ...
(Der Tagesspiegel, 01.04.06)
... Die rund 50 anwesenden Neonazis, darunter auch der Vorsitzende der NPD in Pankow, Jörg Hähnel, lachen sich ins Fäustchen und halten sich gegenseitig den erhobenen Daumen entgegen. ...
(Jungle World Nr. 14/2006)
... Fäuste werden gereckt, geschrieen wird, Trillerpfeifen trillern; Sprechchöre melden: "Wir bleiben hier! Wir bleiben hier!" Die Interessen der Bürger würden in diesem Land überhaupt nicht mehr vertreten; "baulich" sei die Moschee "nicht passend"; der Bürgermeister solle rauskommen! ...
(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.04.06)
... Dann droht die Situation für einen Moment zu eskalieren. Die Vertreter der Ahmadiyya-Gemeinde müssen sich unter Polizeischutz durch die johlende Menge kämpfen. ...
(Die Tageszeitung, 01.04.06)
... Trotz der Tumulte hält die Gemeinde der Ahmadiyya weiterhin an ihren Plänen zum Neubau einer Moschee auf dem Grundstück an der Tiniusstraße fest. "Leider konnten wir uns noch nicht vorstellen", sagt Abdul Basit Tariq, Imam der Gemeinde. Man sei aber zum Dialog bereit. ...
(Die Welt, 01.04.06)
