Januar 2007


02.01.2007:


Begleitet von spärlichen Protesten der in der 'Ipahb' organisierten Moscheegegner und einiger Gegendemonstranten wird der Grundstein für die Ahmadiyya-Moschee in der Heinersdorfer Tiniusstraße gelegt. Neben dem Pankower Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD) und dem Berliner Integrationsbeauftragten Günter Piening war auch das aus London angereiste Oberhaupt der Ahmadiyya-Glaubensgemeinschaft Hazrat Mirza Masroor Ahmad anwesend.

... Für den ersten Moschee-Neubau in Ostdeutschland soll heute in Pankow der Grundstein gelegt werden. Nach Angaben der Ahmadiyya-Muslim-Gemeinde soll das Bauwerk im Stadtteil Heinersdorf noch 2007 fertig gestellt werden. ...
(Berliner Zeitung, 02.01.2007)

... Die Atmosphäre bei den etwa 50 Demonstranten sei „friedlich aber stimmungsgeladen“ gewesen, sagte Polizeisprecher Marcel Kuhlmey.... 
(Die Welt, 02.01.2007)

... Der Berliner Integrationsbeauftragte, Günter Piening lobte dagegen bei der Grundsteinlegung die Ahmadiyya Gemeinde. "Dieser erste Moscheebau in Ostberlin zeigt, dass die muslimischen Gemeinden endlich aus ihren Hinterhöfen herausgehen", sagte Piening. ...
(Der Spiegel, 02.01.2007)

... Hinter einem kaum übersehbaren eigenen Sicherheitsaufgebot hatten sich die Muslime der bisher im Nachbarbezirk Reinickendorf ansässigen Glaubensgemeinde auf ihrem vor einem Jahr gekauften Grundstück versammelt. ..
(Berliner Morgenpost, 03.01.2007)

... Anwesend waren auch der Pankower Bezirksbürgermeister Matthias Köhne (SPD) und der Berliner Integrationsbeauftragte Günter Piening. "Unsere Verfassung garantiert die Religionsfreiheit als Grundrecht", sagte Piening. Und zu den elementaren Grundrechten gehöre auch der Bau eines Gotteshauses. Daher werde sich in Heinersdorf in den kommen Monaten entscheiden, "ob das Grundrecht der Religionsfreiheit wirklich mit Leben gefüllt wird". ...
(Die Tageszeitung, 03.01.2007)

... Pankows Bürgermeister Matthias Köhne (SPD) sprach von der Hoffnung auf Toleranz und Verständigung. Köhne betonte, die Ahmadiyya-Gemeinde sei weder kriminell noch verfassungsfeindlich und er sei froh, „dass sie sich nicht durch die im Kern fremdenfeindlichen Proteste von ihrem Bauvorhaben hat abbringen lassen“. ...
(Der Tagesspiegel, 03.01.2007)

...Polizisten vorm Bauzaun, patrouillierende Streifen zwischen Betonmischer und Baugerüst. So könnte es aussehen, wenn eintritt, was der Imam der Ahmadiyya Muslim Gemeinde, Abdul Basit Tariq, befürchtet - dass nämlich der Moscheebau im Pankower Ortsteil Heinersdorf gestört wird. ...
(Berliner Zeitung, 03.01.2007)

Ein Filmbeitrag zur Grundsteinlegung findet sich beim ZDF: Link


10.01.2007:

Drei Tage nach der Grundsteinlegung für die Ahmadiyya-Moschee veröffentlicht die Bürgerinitiative 'Ipahb' im Internet eine Fotomontage, die vor einem trojanischen Pferd die Porträts von vier Pankower Politikern und dem geistlichen Oberhaupt der Ahmadiyya zeigt. In einer Abwandlung von John Heartfields Anti-Nazi-Plakat "Millionen stehen hinter mir" ist das Bild mit dem Slogan "Hinter uns stehen Millionen" versehen. Nach ersten Protesten wird die Darstellung aus dem Netz genommen, ist aber nach wenigen Tagen erneut online präsent. Die Pro-Moscheebau-Initiative "Heinersdorf öffne dich!" kündigt nun an, gegen die Moschee-Gegner der Initiative 'Ipahb' Anzeige wegen Volksverhetzung zu erstatten. Auch der Imam der Berliner Ahmadiyya-Gemeinde will rechtliche Schritte gegen die Darstellung prüfen. Das Bezirksamt Pankowhatte zunächst angekündigt, keine rechtlichen Schritte einzuleiten. 

... "Mit so einem Plakat wird eine unsachliche und verschwörungstheoretische Angst vor dem Islamismus geschürt", sagt Peter Widmann vom Zentrum für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität. Das Plakat sei polemisch. "Die Gestalter sehen sich als Kämpfer gegen die große Gefahr des Islamismus", so Widmann. Das Plakat assoziiere, mit der Moschee würden "Millionen" Muslime nach Heinersdorf strömen, ihre Moschee sei eine Art trojanisches Pferd. ...
(Berliner Zeitung, 06.01.2007)

... Inzwischen denkt auch der Imam der Ahmadiyya Muslim Gemeinde über rechtliche Schritte nach. "Das Bild ist eine unmögliche Art der Beleidigung. Als würden wir durch Betrug fremdes Land besiedeln", sagte Abdul Basit Tariq. ...
(Berliner Zeitung, 10.01.2007)

... Unverständnis äußert er auch darüber, dass die Darstellung nach ersten Protesten - nicht nur durch die Muslime - aus dem Netz genommen wurde und jetzt nach drei Tagen erneut dort zu sehen ist. ...
(Berliner Morgenpost, 11.01.2007)


11.01.2007:

Das Wochenmagazin Die Zeit veröffentlicht unter dem Titel "Dialog der Kulturen" ein Streitgespräch zwischen Abdul Tariq. dem Imam der Berliner Ahmadiyya-Gemeinde und Joachim Swietlik, dem Vorsitzenden der Bürgerinitiative 'Ipahb': Link.