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Rechtspopulismus, Arbeitswelt und Armut : Befunde aus Deutschland, Österreich u. der Schweiz / Hrsg. Christoph Butterwegge; Gudrun Hentges. - Opladen & Farmington Hills : Verl. Barbara Budrich, 2008. - 306 S. ISBN 978-3-86649-071-0 

Bestehen Zusammenhänge zwischen den Wahlerfolgen rechtsextremer Parteien und ökonomischen Krisen bzw. deren sozialer Auswirkungen? Wie schaffen es Neonazis, an das Alltagsbewusstsein normaler Bürger anzuknüpfen, und welche Rolle spielen dabei der Umbau des Sozialstaats, die Auswüchse der Arbeitsmarktflexibilisierung sowie neue Formen von Armut und sozialer Ausgrenzung? Diesen und anderen Fragen geht in dem vorliegenden Band der Kölner Politikwissenschaftler Christoph Butterwegge gemeinsam mit seiner Kollegin Gudrun Hentges und 13 weiteren Autoren nach. Basis dafür war u. a. das von der EU-Kommission geförderte Forschungsprojekt SIREN ("Socio-economic change, individual reactions, and the appeal of the extreme right"). Es werden Forschungsergebnisse aus Untersuchungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorgestellt. 
Den Anfang macht die zweiteilige, sehr fundierte "Einleitung in den Diskussionsstand und theoretische Grundlegung": Zunächst widmet sich C. Butterwegge den Entwicklungen im globalisierten Kapitalismus und erkennt in dessen Auswüchsen wie rücksichtsloser Konkurrenzgesellschaft und sozialer Kälte einen adäquaten Nährboden für Radikalisierungstendenzen in der Gesellschaft. Er setzt sich mit dem Phänomen des Populismus von rechts wie links auseinander (wobei die verbalen Entgleisungen eines Oscar Lafontaine eine doch erstaunlich milde Relativierung erfahren) und diagnostiziert selbst bei Gewerkschaften einen bedenklichen Hang zum "Standortnationalismus", der sich gegen Arbeitnehmer nichtdeutscher Herkunft richtet. Im Anschluss beschäftigt sich SIREN-Koordinator Jörg Flecker mit der "populistischen Lücke", jenem Vakuum, das die etablierten Parteien angesichts der modernen sozialen Probleme vielen Menschen heutzutage bieten und das von Rechtspopulisten mit wachsendem Erfolg immer wieder erfolgreich genutzt wird. Es folgen die in vier Kapitel unterteilten empirischen Ergebnisse des europäischen Forschungsprojekts SIREN: "Potenziale politischer Subjektivität und Wege zur extremen Rechten" widmet sich den Ergebnissen, die beim Forschungsprojekt in qualitativen Interviews erhoben wurden. "Arbeitswelt, soziale Frage und Rechtspopulismus in Deutschland" zeigt anhand von Fallbeispielen Formen der Hinwendung zu rechtspopulistischem bzw. -radikalem Gedankengut auf; auffällig ist hier, dass sich die Anfälligkeit für solches keinesfalls nur bei den sozial benachteiligten "Modernisierungsverlierern" findet. In "Vorurteil und Berechnung. Sozioökonomischer Wandel und Varianten rechtspopulistischer Anziehung" wird am Beispiel Österreichs der Versuch einer Typologie zum Rechtspopulismus neigender Orientierungen unternommen. Dabei werden vier potentiell empfängliche Typen - Selbständige mit rechtskonservativer Gesinnung, Arbeitnehmer mit eigenen Abwertungserfahrungen, Arbeiter, die sich als Bestandteil einer "Gemeinschaft der Anständigen und Tüchtigen" sehen sowie prekär Beschäftigte - herausgearbeitet. Der folgende Beitrag "Von der Chemie der Arbeit zum Siegszug des Populismus" beschäftigt sich mit den Folgen der Restrukturierung der chemischen Industrie in der Schweizer Region Basel; dabei werden Einblicke in die Sichtweise der Menschen aufgezeigt, die durch Arbeitslosigkeit oder Umsetzungsmaßnahmen einschneidende Veränderungen in ihrer Existenz und ihrem eigenen Selbstverständnis erfahren haben. Den Abschluss bildet der in drei Kapitel unterteilte Teil "Arbeitswelt, Armut und soziale Exklusion": Zunächst wird in "Prekarisierung der Arbeit: Fördert sie einen neuen Autoritarismus?" deutlich, dass die fortschreitende Ausbreitung prekärer Beschäftigungsverhältnisse bei den Betroffenen neben sozialer Desintegration auch neue Disziplinierungstendenzen erzeugt, die nicht selten zu Ausgrenzungsthesen und rechtsradikalen Vorstellungen führen. In "Gewerkschaften und Rechtsextremismus. Ausgewählte Ergebnisse eines Forschungsprojekts" werden die beunruhigenden Befunde über ein nicht zu unterschätzendes rechtsextremes Einstellungspotential von Gewerkschaftsmitgliedern vorgestellt. Der letzte Beitrag berichtet über "(Selbst-) Ethnisierungsprozesse und Rassismus der Exklusion im Ausbildungsbetrieb". Darin wird die enorme Wichtigkeit aufgezeigt, Diskriminierungserfahrungen zur Sprache zu bringen und für eine nichtrassistische Bildungsarbeit im Sinne eines dialogischen Lernens plädiert. 
Die Herausgeber haben mit diesem Sammelband ein ebenso interessantes wie wichtiges Stück Literatur zu einem brennenden aktuellen Problem der westlichen Industriegesellschaft vorgelegt. Rechtspopulistischen Ideologien müssen demokratische Alternativen entgegengesetzt werden, die nur dann erfolgreich sein können, wenn sie glaubhaft für eine menschenwürdige Gesellschaft eintreten, anstatt Egoismus und Rücksichtslosigkeit zu honorieren. 
Im Anhang: Abkürzungsverzeichnis, Literaturauswahl, Informationen über die Autor/-innen. 

Thomas Wagner