Einblicke in die laotische Sprache


Laotisch bzw. Lao gehört zur Familie der Tai-Sprachen, deren Ursprünge auf eine Proto-Tai-Sprache zurückgeführt werden, welche wahrscheinlich zuerst (vor ca. 2000 Jahren) von einer in der Region Guangxi-Guizhou und angrenzenden Regionen (nördliches Festland-Südostasien) siedelnden Ethnie gesprochen wurde. Elemente des Proto-Tai finden sich auch im Chinesischen und Vietnamesischen.

Wie alle Tai-Völker besiedeln die Lao traditionell bevorzugterweise Flusstäler, namentlich den Mekong und seine Nebenflüsse. Daher wird Laotisch vornehmlich beidseits des Mekong gesprochen, wobei sich im Laufe der Zeit kleine Unterschiede in Form von Dialekten herausgebildet haben. Formell unterscheidet man zwischen dem Luang Prabanger Dialekt, dem Vientianer Dialekt, dem Südlaotischen Dialekt und dem Lao Phuan-Dialekt. Einige Wissenschaftler betrachten auch das Nordthailändische (Yuan oder Thai-Nüa) als einen Lao-Dialekt, da es dem Laotischen phonetisch näher ist als dem Thailändischen.

Ein Teil des kulturellen, wissenschaftlichen und religiösen Lao-Wortschatzes ist den altindischen Sprachen Sanskrit und Pali entlehnt worden. Wörter mit Sanskrit- oder Pali-Ursprung erkennt man am einfachsten an ihrer Mehrsilbigkeit, denn das ursprüngliche Lao ist eine monosyllabische Sprache. In der Alltags-Sprache werden vorwiegend Wörter aus dem ursprünglichen Lao verwendet, während die dem Sanskrit oder dem Pali entlehnten Begriffe vor allem im Zusammenhang mit Religion, Politik, Gesetz, Wissenschaft, Bildung, Literatur oder auch für Personen- oder Familien-Namen eingesetzt werden. Entlehnungen gibt es aber auch aus dem Französischen und Englischen.

Geschrieben wird Lao mit einer Buchstabenschrift, welche von der Pali-Schrift des Theravada-Buddhismus abgeleitet ist. Das moderne Lao-Alphabet umfasst 28 Konsonanten und 6 Doppelkonsonanten, 28 Vokale bzw. Doppel- und Dreifachlaute, 2 (bzw. 4) Tonzeichen und 2 weitere Hilfszeichen. Eine Besonderheit der Schrift liegt darin, dass Vokale um den Konsonanten herum geschrieben werden, das heißt, dass Vokale vor, nach, über oder unter einem Konsonanten angeordnet werden und somit eine Silbe (bzw. ein Wort) ergeben. Es gibt keine Groß- und Kleinschreibung und keine Zwischenräume zwischen den einzelnen Wörtern, was das Lesen recht kompliziert macht.

Im Gegensatz dazu ist die Grammatik des Lao relativ einfach, wenn man denn die Sprachlogik durchschaut. Das Wort wird grundsätzlich nicht verändert. Es gibt keine Pluralform, keine Deklination, und auch keine Konjugation. Zukunft- und Vergangenheitsformen wie auch die Pluralform werden durch eigenständige Wörter angezeigt. Artikel vor Substantiven sind unbekannt. Der grundsätzliche Satzbauplan nach dem Muster Subjekt-Prädikat-Objekt ist klar und überschaubar. Dennoch ist das Lao eine sher stilvolle und blumige Sprache, welche eine hohen Kultur wiederspiegelt. Der Reichtum an Wörtern und Wortkombinationen, Satzformen und festen Bedeutungsnuancen ist überwältigend.

Von besonderer Bedeutung ist das Lautsystem. Das Lao ist wie das Chinesische, Thai oder Vietnamesische eine Tonalsprache und verfügt über 6 bedeutungsdifferenzierende Silbentöne. Spricht man ein Wort mit falschem Ton aus, ändert sich die Bedeutung und man wird miss- oder gar nicht verstanden.

Lao ist die offizielle Staatssprache der DVR Laos. Die in Thailand lebenden Lao benutzen das Lao lediglich als Umgangssprache, im öffentlichen Leben ist für sie das Thai die verbindliche lingua franca. Die laotische Schrift wird von ihnen in der Regel nicht mehr beherrscht.

Sabaidii!

Einige Beispiele aus dem Lao:

Sabaidii.
Tschau sabaidii bo?
Khooi sabaidii.
Khooi boo sabaai.
Tschau süü waa njang?
Khooi süü waa XXX.
Pai sai?
Khooi pai hüan.
Khooi pai lin.
Wau phaasaa angkit dai bo?
Dai / bo dai.
Kin Khau läo bo?
Kin khau läo.
Njang bo than kin khau.
Tschau tongkaan njang?
Khooi tongkaan...
...khau
...kääng
...siin lä phak
...paa
...njam salat
...mii
...khau phat
...khai tschüün
...sai maak phet nooi diau
...bo sai maak phet
...maak mai
...naam
...naam waan
...naam saa
...bia
...naam maak phau
Khoop tschai!
Khooi dii tschai laai.
Phop kan mai thüa naa.
Pai koon döö!
Laa koon!
Guten Tag! / Hallo!
Wie geht es Dir / Ihnen?
Es geht mir gut.
Es geht mir nicht so gut.
Wie heißt Du / heißen Sie?
Ich heiße XXX.
Wohin gehst Du / gehen Sie?
Ich gehe nach Hause.
Ich gehe spazieren.
Sprichst Du / sprechen Sie Englisch?
Ja / nein.
Hast Du / haben Sie schon gegessen?
Ja, ich habe schon gegessen?
Ich habe noch nichts gegessen.
Was möchest Du / möchten Sie? (auch beim Einkaufen)
Ich möchte bitte
...Reis
...Suppe
...Fleisch und Gemüse
...Fisch
...einen Salat
...Nudeln
...gebratenen Reis
...Rührei
...wenig Chili
...ohne Chili
...Obst
...Wasser
...Limonade
...Tee
...Bier
...frische Kokosmilch
Danke!
Ich freue mich sehr / habe mich sehr gefreut.
Bis bald! / Wir sehen uns (hoffentlich) bald wieder.
Tschüß!
Auf Wiedersehen! (formal)

Anmerkung: lange Vokale werden durch Buchstabendopplung gekennzeichnet; o wird als offenes o gesprochen


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